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Was sind somatische Reaktionen und warum sind sie wichtig?

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Was sind somatische Reaktionen und warum sind sie wichtig?

Leslie* empfand aufgrund ihres sexuellen Missbrauchs eine unglaubliche Wut. Sie war über das Geschehene sehr aufgebracht und darüber, dass sie sich nicht gegen den Täter wehren konnte. Ironischerweise war Leslies Wut so tief in ihr vergraben, dass ihre Gefühle im Unterbewusstsein abliefen. Anstatt ihre Wut über das, was ihr passiert war, nach außen zu tragen, hatte sie Schlafprobleme. Bis Leslie sich ihre Wut und ihre Abwehrimpulse bewusst machte, konnte sie diese nicht verarbeiten, und ihre Schlaflosigkeit dauerte an. Kommt dir etwas an dieser Geschichte bekannt vor?

Wir neigen vielleicht dazu zu denken, dass unser Körper von oben nach unten gesteuert wird: Unser Bewusstsein sagt unserem Körper, was er tun soll. In Wirklichkeit gibt es aber auch eine Menge Aktivitäten von unten nach oben: Unser Körper hat einen großen Einfluss darauf, wie wir denken. Die Forschung hat entdeckt, dass die Verarbeitungsprozesse vor allem bei Trauma-Betroffenen häufig von unten nach oben ablaufen. Leslies Schlaflosigkeit zum Beispiel könnte als eine Art „Bottom-up“ Reaktion betrachtet werden. Ihr Körper reagiert auf eine Weise auf das Trauma, die sie selbst nicht bewusst steuern kann. In extremen Momenten kann es zu einem Bottom-up „Hijacking“ kommen. Dabei tritt das Bewusstsein zurück, während der Körper den Rest des Verstandes in Alarmbereitschaft versetzt, selbst wenn es keinen Grund zur Sorge gibt. Diese Reaktion löst bei den Betroffenen sowohl körperlichen als auch emotionalen Stress aus.

Viele Betroffene von sexuellem Missbrauch leiden unter den körperlichen Auswirkungen ihres Traumas. Manchmal ist es unmöglich, eine physiologische Erklärung für das zu finden, was vor sich geht. So leidet jemand z. B. unter Schlaflosigkeit, kann aber nicht erklären, warum das so ist, oder ein anderer leidet unter chronischem Bluthochdruck, ohne dass es einen klaren Grund dafür gibt. Mit anderen Worten: Es gibt körperliche Symptome, die sich nicht vollständig durch eine medizinische Erkrankung erklären lassen. Der Fachbegriff für solche Symptome lautet „somatische Symptome“.

Aber wie kommt es zu somatischen Symptomen? Leider gibt es auf diese Frage keine einfache Antwort. Der Stanford-Professor für Neurowissenschaften, Robert Sapolsky, erklärt: „Wir haben erkannt, wie komplex unsere Biologie und unsere Emotionen miteinander verwoben sind und wie sehr unsere Persönlichkeit, Gefühle und Gedanken die Geschehnisse in unserem Körper widerspiegeln und beeinflussen“.

Es gibt noch eine andere Denkweise, um das alles zu verstehen. Unsere Gehirne haben mehrere Verarbeitungsmöglichkeiten. Einer dieser Wege führt über den physischen Körper. Diese Verarbeitung, die sich auf körperliche Empfindungen und Impulse konzentriert, findet in den unteren Ebenen des Gehirns statt, im Gegensatz zur bewussten, kognitiven Verarbeitung, die in den höheren Ebenen stattfindet. Es kann sein, dass dein Körper immer noch ein Trauma speichert und verarbeitet, von dem du glaubst, dass du es auf der bewussten Ebene verarbeitet hast. Anders ausgedrückt: Es gibt eine Menge Bottom-up-Verarbeitung.

Warum ist das so wichtig? Zunächst einmal könnte es sich lohnen, der Möglichkeit nachzugehen, dass das Trauma aus deiner Vergangenheit ein Faktor für einige deiner heutigen körperlichen Symptome sein könnte. Wenn du chronische Gesundheitsprobleme hattest, für die du nie eine zufriedenstellende Erklärung gefunden hast, könnten sie mit deinem Trauma in Zusammenhang stehen. Zweitens kann es ein Schlüssel zum Heilen sein, wenn du deinen Körper dazu bewegst, das Trauma aufzuarbeiten. Ziehe in Erwägung, einen Therapeuten oder eine Therapeutin aufzusuchen, der/die darauf spezialisiert ist, körperliche Symptome und Empfindungen als Teil deines Heilungsprozesses zu behandeln. Bei Saprea sprechen wir oft über die Notwendigkeit ganzheitlichen Heilens und ermutigen dich, sowohl auf deinen Körper als auch auf deinen Geist zu achten.



*Der Name von Leslie wurde aus Datenschutzgründen geändert, ihre Geschichte entspricht jedoch der Wahrheit.

Tipps zum Umgang mit Triggern in der digitalen Ära 

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Tipps zum Umgang mit Triggern in der digitalen Ära 

Gastbeitrag von Taylor Street

Wir leben im Zeitalter der Informationsfreiheit. Der Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, Wirtschaftsdaten und Fachwissen zu jedem beliebigen Thema, ist buchstäblich zum Greifen nah. Die Antworten auf fast jede Frage, die uns einfällt, sind selten mehr als ein paar Klicks entfernt.

Aber das Leben in einer Welt, in der wir von Technologie umgeben sind, durch die wir mit all diesen Informationen verbunden sind, hat seine Tücken. Wahrscheinlich ist dein Smartphone immer nur ein paar Meter von dir entfernt und bimmelt alle paar Minuten mit E-Mails, SMS-Nachrichten und Social Media-Benachrichtigungen. Wahrscheinlich dreht sich zumindest ein Teil deines Arbeitsalltags um einen Computer. Und wenn du wie die meisten Menschen bist, hast du mindestens einen Fernseher - wenn nicht sogar mehrere - in deinem Haus.

Die Herausforderung für Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch besteht darin, dass das Risiko, auf etwas zu stoßen, das Trigger auslöst, extrem hoch sein kann. Vielleicht scrollst du gerade durch Instagram, und siehst plötzlich ein Foto, das dich an jemanden erinnert, der an deinem Missbrauch beteiligt war. Oder du schaust gerade deine Lieblingssendung im Fernsehen, als eine Werbeanzeige für die Abendnachrichten berichtet, dass ein weiterer Promi wegen sexuellen Fehlverhaltens angeklagt wurde.

Da unsere heutige Gesellschaft vermutlich immer mehr mit Technologie überflutet wird und Gespräche über sexuelle Gewalt weiterhin Schlagzeilen machen werden, ist es wichtig, dass du lernst, diese Trigger zu erkennen und zu bewältigen. Wenn du sie ignorierst, könnte das deinen Weg zur Heilung beeinträchtigen und auch deine Handlungsfähigkeit in bestimmten Situationen einschränken.

Was ist ein Trigger?

In den letzten Jahren ist das Wort „Trigger“ in der Popkultur zu einem Synonym für übermäßige Sensibilität oder die Unfähigkeit, einen Scherz zu verstehen, geworden. Keine dieser Verwendungen ist wahr oder korrekt.

In Wirklichkeit ist ein Trigger ein Moment, in dem du körperlich und/oder emotional auf bestimmte Anblicke, Geräusche oder Gerüche reagierst, die in irgendeiner Weise mit dem erlebten Trauma zusammenhängen. Diese Symptome und Gefühle sind Teil der natürlichen Reaktion deines Gehirns auf unsichere Erfahrungen aus der Vergangenheit. Deine Reaktion auf Trigger bestimmt nicht, wer du bist. Deine Fähigkeit, sie zu „kontrollieren“, schränkt dein Heilen oder dein Wachstum nicht ein.

Wie fühlt sich ein „Trigger“ eigentlich an?

Jeder Mensch erlebt Trigger anders, aber wie wir bereits erwähnt haben, lösen Trigger in der Regel eine negative körperliche und/oder emotionale Reaktion aus.

Zu den körperlichen Reaktionen auf einen Trigger können gehören:

  • Erhöhte Herzfrequenz
  • Muskelspannung
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Schüttelfrost oder Hitzewallungen
  • Schwindel oder Übelkeit
  • Schmerzen oder Engegefühl im Brustkorb
  • Atemprobleme und/oder Hyperventilieren
  • Tunnelblick oder Unfähigkeit, sich zu konzentrieren

Wenn du schon einmal eine Panikattacke erlebt hast, fällt dir vielleicht auf, dass einige der oben aufgeführten Körperreaktionen dem ähneln, was du während einer Panikattacke erleben könntest. Es ist wichtig zu bedenken, dass ein Trigger zu einer Panikattacke führen kann, aber nicht immer. Außerdem werden nicht alle Panikattacken durch Trigger ausgelöst. Wenn du mehr über Panikattacken erfahren möchtest, schau dir diesen Dienstags-Tipp an.

Zu den emotionalen Reaktionen auf einen Trigger können folgende Gefühle gehören:

  • Traurigkeit
  • Wut
  • Furcht oder Misstrauen
  • Reizbarkeit oder den Wunsch, andere zu verletzen
  • Einsamkeit, Abgehobenheit oder das Verlangen, sich zurückzuziehen
  • Verwirrung

Außerdem kann ein Trigger dazu führen, dass dein Körper in den sogenannten "Kampf-Flucht-Schockstarre"-Modus versetzt wird, was dazu führt, dass du das Gefühl hast, dass du Aspekte deines Missbrauchs noch einmal erlebst. In diesen Fällen hat der Frontallappen - der "logische" Teil deines Gehirns, der bei der Entscheidungsfindung und Impulskontrolle hilft - seine Aktivität drastisch reduziert und das limbische System hat die Kontrolle übernommen. Das limbische System - oder “primitives Gehirn" - ist der unterbewusste Teil des Gehirns, der für das Überleben und die Vermeidung von Schmerzen zuständig ist. Es ist der Ort, an dem die starken körperlichen und emotionalen Reaktionen ihren Ursprung haben. Wenn du mehr über die verschiedenen Rollen deines Frontallappens und des limbischen Systems auf deinem Weg zur Heilung erfahren möchtest, klicke hier.

So identifizierst du deine Trigger

Die Identifizierung von Triggern kann im entscheidenden Moment schwierig sein - da dein limbisches System das Steuer übernimmt, hast du wahrscheinlich keine Zeit, logisch darüber nachzudenken, was dein Unbehagen auslösen könnte und warum. Aber wenn du dich beruhigt hast und über dein Erlebnis nachdenkst, kannst du bestimmte Trigger identifizieren.

Hier sind zwei Hilfsmittel, die einige Betroffene als hilfreich empfinden, wenn sie über ihre Trigger-Erfahrungen nachdenken:

AUSDRUCKSVOLLES SCHREIBEN

Schreiben ist eine der einfachsten Methoden, um Gefühle, die mit dem Trauma deiner Vergangenheit verbunden sind, anzusprechen und zu verarbeiten. Diese Methode wird auch als expressives Schreiben bezeichnet und es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass sie für Betroffene hilfreich ist. Wenn du über das auslösende Erlebnis nachdenkst und schreibst, behalte die folgenden Situationen und Fragen im Hinterkopf:

  • Dir ist aufgefallen, dass beim Fernsehen oft negative Gefühle aufkommen. Gibt es ein bestimmtes Programm oder eine bestimmte Sendung, die dich stört? Gibt es bestimmte Themen, bei denen du dich unwohl fühlst, wenn du etwas darüber liest oder ihnen zuhörst? Wie reagierst du, wenn die negativen Gefühle auftauchen? Stört dich eine der dargestellten Personen auf irgendeine Weise?
  • Ein Angehöriger teilt eine persönliche Nachricht auf Facebook. Du möchtest positiv darauf reagieren, aber du kannst nicht anders, als betrübt oder wütend zu sein. Worum geht es in der Nachricht? Eine berufliche Beförderung? Eine neue Beziehung? Ein Plan, an einen neuen Ort zu ziehen? Welche Gefühle kamen auf, als du die Nachricht gelesen hast? Wie hat sich dein Körper dabei gefühlt? Bist du eigentlich traurig oder wütend über die Nachricht oder über eine Erinnerung, die durch die Nachricht wachgerufen wurde?
  • Eine Gruppennachricht mit Freunden oder Familienmitgliedern hat dich nervös und verunsichert, aber du bist dir nicht sicher, warum. Was war das Thema der Unterhaltung? Wie war der Ton der Unterhaltung? Wo warst du, als du dich an der Textkette beteiligt hast? Hat jemand etwas Bestimmtes gesagt, das dich verärgert hat? Wer waren die Personen, die an dem Gespräch beteiligt waren?

RAD DER EMOTIONEN

Ein weiteres Hilfsmittel, das viele Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch hilfreich finden, ist unser Rad der Emotionen. Es hilft dabei, komplexe Gefühle zu vereinfachen und die Emotion(en) besser zu verstehen, die du gerade erlebst. Verstehen ist ein wichtiger Schritt bei der Lösung jedes Problems oder Dilemmas - sobald du die Emotionen verstehst, die bei dir ausgelöst wurden, kannst du Schritte unternehmen, um diese Emotionen zu lindern.

Saprea's emotion wheel, a list of basic emotions surrounded by more specific emotions that fall under a base emotion.

Um das Rad der Emotionen zu benutzen, denke zunächst an ein Erlebnis, bei dem der Trigger in dir geweckt wurde. Beginne damit, das Rad in der Mitte zu benutzen, um die Kernemotion zu identifizieren, die du während des Erlebnisses empfunden hast. Warst du wütend? Ängstlich? Traurig? Gefühlslos?

Von dort aus gehst du zum äußeren Teil des Rades und schaust dir die Gefühle an, die mit dieser Emotion verbunden sind. Suche nicht unbedingt nach einer Emotion. Achte vielmehr darauf, welche Gefühle dir zusagen.

Wiederhole diesen Vorgang mehrmals, während du über verschiedene Trigger-Erfahrungen nachdenkst. Achte dabei auf bestimmte Muster. Gibt es bestimmte Gefühle, die du empfindest, wenn ein Trigger-Erlebnis mit sozialen Medien zu tun hat? Fühlst du dich im Allgemeinen bei allen Trigger-Erlebnissen gleich oder variieren die Gefühle je nach Situation?

Da die Bewältigung von Aggressionsgefühlen oft andere Taktiken erfordert als die Bewältigung von Gefühlen der Unsicherheit, ist das Verständnis dieser Muster für den Heilungsprozess entscheidend. Sobald du eine Vorstellung davon hast, wie deine Gefühle typischerweise auf Trigger reagieren, kannst du einen Plan schmieden, wie du mit diesen Triggern umgehen kannst.

Umgang mit Triggern durch Planung und Übung

Einer der schwierigsten Aspekte beim Heilen vom Trauma des sexuellen Kindesmissbrauchs ist der Umgang mit Triggern. Da Trigger eine automatische (oft unwillkürliche) Reaktion hervorrufen, finden es manche Betroffene hilfreich, einen Plan zu erstellen, wie sie mit Triggern umgehen wollen, wenn diese auftreten. Sobald du einen Plan erstellt hast, kannst du deine geplanten Reaktionen üben, damit sie natürlicher ablaufen, wenn du auf einen unerwarteten Trigger triffst.

Im Folgenden stellen wir dir verschiedene Aktivitäten und Erdungsübungen vor, mit denen du Trigger bekämpfen kannst. Wir ermutigen dich, sie auszuprobieren, wenn du ruhig bist, um nicht nur deine Bewältigungsfähigkeiten zu verbessern, sondern auch herauszufinden, welche Übungen dir am meisten helfen.

ERDE DICH IN 5-4-3-2-1

Viele Betroffene nutzen Erdungsübungen, um sich in Momenten extremer Emotionen, Dissoziationen oder Flashbacks zu entspannen.

Probiere diese einfache, sensorische Erdungsübung aus, um dich im gegenwärtigen Moment zu verankern:

  • Nenne 5 Dinge, die du sehen kannst.
  • Nenne 4 Dinge, die du fühlen kannst.
  • Nenne 3 Dinge, die du hören kannst.
  • Nenne 2 Dinge, die du riechen kannst.
  • Nenne 1 Sache, die du schmecken kannst.

Wenn du diese Übung hilfreich findest und dich für Druckvorlagen interessierst, die du mitnehmen oder an deine Wand hängen kannst, klicke hier.

ATEMTECHNIK ZU AUSGEGLICHENEN EMOTIONEN

Atmen ist eine wunderbare Erdungstechnik, denn du kannst sie überall, jederzeit und ohne sonstige Hilfsmittel durchführen. Bewusstes, achtsames Atmen erhöht den Serotoninspiegel im Gehirn, was wiederum hilft, den Geist zu beruhigen, Emotionen zu regulieren und den Körper zu erholen.

Um achtsames Atmen zu üben, befolge diese Schritte:

  1. Setze dich in eine bequeme Position, entweder auf einen Stuhl oder auf den Boden.
  2. Atme durch die Nase ein und zähle dabei bis fünf.
  3. Halte deinen Atem an und zähle bis sieben.
  4. Atme langsam durch die Nase aus und zähle dabei bis neun.
  5. Wiederhole dies, bis sich dein Herzschlag beruhigt hat und du dich ruhiger fühlst.

Fällt es dir schwer, deinen Atem zu kontrollieren? Konzentriere dich auf das Ausatmen. Das kann dir bei der Tiefatmung helfen.

STRESSABBAU DURCH EINE SCHMETTERLINGSUMARMUNG

Die Schmetterlingsumarmung - manchmal auch als Umarmung der Selbstliebe bezeichnet - ist eine einfache Selbstberuhigungstechnik, die du jederzeit anwenden kannst, wenn du dich gestresst, unruhig oder getriggert fühlst.

Diese Übung ist ganz einfach:

  • Nimm zunächst eine bequeme Position ein, entweder im Sitzen oder im Liegen.
  • Verschränke die Arme vor dem Brustkorb und lege die Fingerspitzen auf dein Schlüsselbein, deine Schultern oder deine Arme.
  • Als Nächstes tippst du sanft auf deine Arme, wobei du die Seiten abwechselst. Atme dabei ein und aus. Klopfe so lange, wie du es brauchst.
  • Wenn sich die Übung gut anfühlt, kannst du deine Hände ruhen lassen und deine Aufmerksamkeit wieder dem gegenwärtigen Moment zuwenden.

Eine Videoanleitung für die Schmetterlingsumarmung findest du hier.

KRISENKARTE ERSTELLEN

Eine Krisenkarte ist ein hilfreiches Hilfsmittel, wenn du dich getriggert fühlst. Wenn du sie im Voraus erstellst, kannst du Maßnahmen planen, Menschen anrufen und positive Affirmationen sagen, die du dir in Zeiten emotionaler Unruhe sagen kannst.

Befolge die folgenden Schritte, um deine eigene Krisenkarte zu erstellen, oder klicke hier, um eine Vorlage für eine Krisenkarte zu erhalten, die du am Computer ausfüllen und dann zu Hause ausdrucken kannst.

  1. Nimm einen Stift und ein kleines Blatt Papier oder eine Notizkarte - wir empfehlen ein Blatt mit den Maßen 7×10 cm, das leicht in eine Handtasche oder dein Portemonnaie passt.
  2. Schreibe drei Dinge auf, die du tun kannst, wenn du in einer emotionalen Krise steckst (z. B. achtsam atmen, dich auf deine Sinne konzentrieren, spazieren gehen usw.).
  3. Nenne drei Personen, die du in diesen schwierigen Momenten anrufen kannst (z. B. eine/n Freund/in, ein Familienmitglied, eine/n Partner/in, eine/n Therapeut/in usw.).
  4. Schreibe kurze Antworten auf die folgenden Fragen auf:
    1. Was brauchst du in diesem Moment von anderen?
    2. Was kann die Person, die du anrufst, für dich tun?
    3. Was sollte die Person, die du anrufst, VERMEIDEN?
  5. Schreibe eine positive Aussage über dich, von der du weißt, dass sie dich aufmuntern kann.

Der Umgang mit Triggern ist eine Herausforderung, und leider macht eine Welt voller Technologien, die dich jeden Moment aus der Bahn werfen kann, nicht gerade einfacher. Aber durch aufmerksame Selbstreflexion und sorgfältige Planung kannst du lernen, Trigger zu erkennen und zu unterbrechen, wenn sie auftreten.

Sexuelle Erregung während des Missbrauchs und die Scham der Betroffenen

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Sexuelle Erregung während des Missbrauchs und die Scham der Betroffenen

Denk an das letzte Mal, als du dich zum Essen hingesetzt hast. Vielleicht hast du es endlich geschafft, eine Mittagspause auf der Arbeit zu machen oder du bist nach Hause gekommen und hast mit deiner Familie zu Abend gegessen. Nachdem du mit dem Essen fertig warst, hast du wahrscheinlich überlegt, ob es für deinen Körper ein guter Zeitpunkt war, das Essen zu verdauen, oder? Du hast dir bestimmt gedacht: „Ich glaube, ich verdaue mein Essen lieber später. Ich habe jetzt einfach keine Zeit, ich werde es auf später verschieben.“ Moment, so war es aber nicht!

Warum eigentlich? Weil dein Körper viele Dinge ohne Nachdenken von allein regelt. Wenn du isst, beginnt dein Körper sofort mit der Verdauung deiner Nahrung und liefert dir Nährstoffe und Energie. Das ist ein natürlicher, physiologischer Prozess.

Sexuelle Erregung ist eine natürliche körperliche Reaktion 

Das Gleiche gilt für die sexuelle Erregung: Sie ist ein natürlicher Prozess in unserem Körper. Ellen Bass und Laura Davis erklären: „Unsere Körper sind dafür geschaffen, auf Stimulation zu reagieren. Wenn sie durch sexuelle Berührungen stimuliert werden, ist unsere gesamte Körperchemie darauf ausgerichtet, Freude zu erzeugen. Das sind natürliche körperliche Reaktionen, über die wir keine Kontrolle haben.“1.

Dennoch empfinden Betroffene immer noch Scham und Schuldgefühle, wenn sie während des Missbrauchs sexuell erregt waren, und diese Scham kann sich auf gegenwärtige Beziehungen und Erfahrungen auswirken. Eine Betroffene sagte zum Beispiel:

Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich während des Missbrauchs sexuell erregt war. Danach war ich so wütend auf mich, schämte mich und ekelte mich vor mir selbst. Wenn ich jetzt mit meinem Mann intim bin, erstarre ich, als wolle ich verhindern, dass ich beim Sex Vergnügen empfinde. 2

Der Missbrauch kann bei Betroffenen verwirrende und widersprüchliche Reaktionen hervorrufen. Einerseits wolltest du schreien oder weinen, damit der Missbrauch aufhört. Andererseits hat dein Körper möglicherweise angenehme Empfindungen erlebt.

Eine natürliche Reaktion ist kein Grund zur Scham 

Eins solltest du wissen: Wenn du während deines Missbrauchs sexuell erregt warst oder Vergnügen empfunden hast, bedeutet das auf keinen Fall, dass du dem Geschehen zugestimmt hast oder es genossen hast. Du hast den Missbrauch nicht ermutigt. Genauso wenig bedeutet es, dass sexuelle Lust etwas Schlechtes ist. Einfach ausgedrückt: Wenn du Erregung oder einen Orgasmus erlebt hast, bedeutet das, dass dein Körper das getan hat, wofür er gedacht ist. Eine andere Betroffene sagte: „Ich musste anerkennen und begreifen, dass ich nicht erregt war, weil ich es mochte. Mein Körper hat auf die Berührung reagiert. Mehr nicht.“1

Sex, Intimität, Vertrauen und Verrat sind für Betroffene auf komplizierte und verwirrende Weise miteinander verbunden. Diese Zusammenhänge zu entwirren, erfordert Zeit und Arbeit, aber es kann dich vielleicht beruhigen zu wissen, dass die natürlichen Reaktionen deines Körpers genau das sind - natürlich. Du brauchst dich nicht dafür zu schämen, dass dein Körper deine Nahrung ohne deine Erlaubnis verdaut, ebenso wenig musst du dich für andere natürliche Reaktionen deines Körpers schämen.

Kintsugi: Der Wert einer zerbrochenen Schale

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Kintsugi: Der Wert einer zerbrochenen Schale

Die Legende Kintsugis

Eine japanische Legende besagt, dass ein mächtiger Shogun Krieger seine Lieblingsteeschale zerbrach und sie zur Reparatur fortschickte. Als er sie zurückerhielt, wurde seine geliebte Keramikschale durch grobe Metallklammern zusammengehalten. Obwohl er die Teeschale noch gebrauchen konnte, war der Shogun Krieger bitterlich enttäuscht. In der Hoffnung, dass er die einst prächtige Teeschale zu ihrer originellen Schönheit wiederherstellen könnte, bat er einen Kunsthandwerker, eine ästhetisch ansprechendere Methode zu entwickeln.

Der Handwerker probierte eine neue Technik aus, die sowohl, die Schönheit der Schale hervorheben als auch reparieren sollte. So fügte er jede Scherbe der Keramik mit einem mit Gold vermischten Lack wieder zusammen. Als der Shogun-Krieger die Schale zurückerhielt, liefen feine Goldstreifen durch die gesamte Teeschale, wo die Einrisse einst verliefen. Sie erzählten nun eine Geschichte und der Shogun-Krieger erkannte, dass sie ihren Wert verstärkte. Diese Reparaturmethode wurde daraufhin als Kintsugi bekannt

Kintsugi, was grob übersetzt „Goldverbindung“ bedeutet, ist die japanische Philosophie, dass der Wert eines Objekts nicht in der Schönheit seiner originellen Form liegt, sondern in dem Prozess der aufwendigen Restauration, die der Keramik einen unschätzbaren Wert verleiht. Diese „Unvollkommenheiten“ sollten nicht verborgen, sondern respektiert und gewürdigt werden.

Eine eindrucksvolle Illustration von Kintsugi findest du im folgenden Video:

So wie die Kintsugi-Schale werde auch ich neu geboren.
—Janet, ehemalige Teilnehmerin des Saprea Retreats

Kintsugi und Du

Du magst jetzt vielleicht denken, das ist eine schöne Erzählung, aber was hat das bitte mit mir zu tun? Stell dir vor, dein Leben ist wie eine Keramikschale. Die guten Erfahrungen in deinem Leben, gleichen dem Polieren der Schüssel, wenn jedoch schlechte Ereignisse geschehen, zerbricht die Schale Stück für Stück. Der sexuelle Missbrauch in der Kindheit würde in diesem Beispiel zu erheblichen Sprüngen und Schäden in der Schale führen. Das daraus entstehende Trauma kann das Gefühl hinterlassen, dass die Schale komplett auseinandergebrochen ist. Vielleicht hast du verschiedene Methoden zur Bewältigung deines Traumas gefunden, die es dir bis jetzt ermöglicht haben, funktionsfähig durch das Leben zu gehen. Du hast sicherlich das Gefühl, dass du dein volles Potenzial jedoch nicht entfalten kannst. Mit Kintsugi ist jeder Schritt, den du auf dem Weg zur Heilung machst, so, als würdest du die Scherben erneut mit Gold zusammenfügen. Durch diesen Prozess kannst du dich erneut wohl und vollständig fühlen.

Das Trauma aus deiner Vergangenheit kann zwar nicht geändert werden, aber es kann so aufgearbeitet werden, dass es dein Leben nicht mehr dominiert. Vielleicht trägst du tiefe Wunden in dir, die bestätigt und geheilt werden müssen, damit du vorwärts gehen kannst. Mithilfe der richtigen Informationen, Hilfsmittel und Unterstützung ist es nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich, dass du ein positives, produktives und selbstbestimmtes Leben führen kannst. Wenn du lernst, wie dein Gehirn auf das Kindheitstrauma reagiert, kannst du damit beginnen, die Scherben wieder zusammenzusetzen.

Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Gelegenheit, Kintsugi auszuprobieren. Meine Schale ist eine ständige Erinnerung daran, dass ich trotz meiner Schäden heute schöner und stärker bin als je zuvor. Ich muss die Scherben wieder zusammensetzen.
—Siobhan, ehemalige Teilnehmerin des Saprea Retreats
Image

Das Saprea Retreat und Kintsugi 

Eine der ersten Aktivitäten, an denen die Teilnehmerinnen beim Saprea Retreat teilnehmen, ist die Präsentation von Kintsugi. Sie nehmen eine Keramikschale und zerbrechen sie selbst. Anschließend nehmen sie die Scherben und kleben sie vorsichtig mit Epoxidharz, der mit goldfarbenem Pulver vermischt ist, wieder zusammen. Es braucht etwas Geduld, ein bisschen Übung und die Bereitschaft, es immer wieder zu versuchen, um die Teile wieder zusammenzufügen. Das kann für Betroffene eine unglaublich prägende Aktivität sein und ist eine gute Basis, um den Weg zur Heilung zu beginnen oder fortzusetzen.

Als Metapher hat Kintsugi für jede Betroffene, die an der Aktivität teilnimmt, eine andere Bedeutung. In manchen Fällen steht die Schale für ihre Kindheit. Für andere stehen die Scherben für ihr gebrochenes Vertrauen. Die Art und Weise, wie Kintsugi auf deinen Weg zur Heilung angewendet werden kann, ist so individuell wie jede/r Betroffene selbst. Nutze diese Gelegenheit, um darüber nachzudenken, was die Metapher des Kintsugi für dich bedeuten kann und wo du dich auf deinem Weg zur Heilung befindest.

Das Kintsugi-Projekt hat meine Perspektive geändert. Es hat mir gezeigt, dass das, was einmal kaputt war, wieder repariert werden kann und dadurch zu etwas Besonderem wird.
—Stephanie, ehemalige Teilnehmerin des Saprea Retreats

Dein persönliches Kintsugi 

Wir hier bei Saprea verstehen, dass es aufgrund der Scham und des Stigmas, das sexuellen Missbrauch oft umgibt, schwierig sein kann, deine Erfahrungen anzuerkennen oder darüber zu sprechen. Es kann viele Gründe geben, die dich davon abhalten, dein Trauma zu behandeln und das Heilen anzustreben, dass du verdienst, aber wenn du dich deiner Vergangenheit nicht stellst, riskierst du, dass sie dich gefangen hält.

Wunden und Heilen sind Teil deiner Geschichte - ein Teil dessen, wer du bist. Egal, was du erlebt hast, dein Weg kann etwas Wunderbares sein. Die Tatsache, dass du missbraucht wurdest, wird nicht gefeiert, aber wir feiern die wunderbare Person, die du bist und zu der du dich weiterentwickeln wirst, wenn du deine persönliche Kintsugi-Version erschaffst.

Die genannten Zitate stammen von Betroffenen auf unserer Seite "Faces of Survivors", auf der Betroffene über ihren Weg zur Heilung berichten. Um deine heilsamen Erfahrungen als Betroffene zu teilen, klicke hier.

Es besteht Hoffnung nach sexuellem Missbrauch durch Geschwister 

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Es besteht Hoffnung nach sexuellem Missbrauch durch Geschwister 

Ein sehr kleiner Schlüssel kann ein großes Tor öffnen.

—Charles Dickens

„Vista Balboa Krisenzentrum, hier spricht Katie. Wie kann ich Ihnen heute helfen?“

Mit einem solchen Anruf hatte ich an einem sonnigen Donnerstagnachmittag nicht gerechnet, als ich meine Schicht im Krisenzentrum arbeitete. Obwohl ich schon viele Geschichten von Erwachsenen gehört hatte, die als Kinder traumatisiert worden waren, war der tiefe Schmerz, den ich bei der Person am anderen Ende der Leitung spürte, besonders herzzerreißend. Sie hatte schweren sexuellen Missbrauch durch einen Geschwisterteil erlebt, und heute war es das erste Mal seit über 30 Jahren, dass sie jemandem davon erzählte.

Als wir über die Erfahrungen dieser Person sprachen, äußerte sie tiefe Verwirrung und Scham über den Missbrauch, über ihr Geschwisterkind und vor allem über sich selbst. Zögernd beschrieb sie, dass sie sowohl gegenüber dem Missbrauch als auch gegenüber ihrem Geschwisterkind gegensätzliche, widersprüchliche und verwirrende Gefühle empfand. Als die Betroffene später in ihrer Kindheit erfuhr, dass es absolut tabu war, mit Geschwistern sexuellen Kontakt zu haben, hatte sie das Gefühl, dass sie für das Geschehene verantwortlich war. Das hatte sie in den langen, einsamen Jahren seit ihrer Kindheit davon abgehalten, Hilfe zu suchen. Sie kämpfte ständig mit Fragen der Machtsituation und des Gleichgewichts in ihrer Beziehung und hatte enorme Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen. Sie hatte in über 30 Jahren noch nie eine feste Beziehung geführt.

Wenn du sexuellen Missbrauch unter Geschwistern erlebt hast, bist du nicht allein.

Auch wenn es zahlreiche praktische Ressourcen gibt, die du nutzen kannst, um von sexuellem Missbrauch durch Geschwister zu heilen, kann die Erkenntnis, dass du nicht allein bist und dass deine Erfahrungen valide sind, ein wichtiger erster Schritt sein. In diesem Beitrag möchte ich dich ein Stück weit begleiten, indem ich dir von einigen Erfahrungen erzähle, die Betroffene von sexuellem Missbrauch unter Geschwistern teilen.

Ambivalenz

Ambivalenz, also zwiespältige, widersprüchliche Gefühle gegenüber jemandem oder etwas, ist bei Betroffenen von sexuellem Kindesmissbrauch eine häufige Erfahrung - vor allem bei denen, die Missbrauch durch ein Geschwisterkind erlebt haben. So wie das Wetter gleichzeitig regnerisch und sonnig sein kann, sind Menschen in der Lage, mehrere Gefühle zugleich zu empfinden - auch solche, die gegensätzlich erscheinen, wie Liebe und Hass.

Diese Gefühle können sehr verwirrend oder isolierend sein. Für viele können diese widersprüchlichen Gefühle zu zusätzlichen Schuldgefühlen führen, wenn sie positive Gefühle gegenüber dem Missbrauch oder ihren Geschwistern haben. Daniela* z. B. wollte unbedingt, dass ihr Stiefbruder sie mag, weshalb sie bereitwillig auf seine missbräuchlichen und demütigenden Forderungen einging. Als Erwachsene ist Daniela wütend und gekränkt über die verletzenden Handlungen ihres Stiefbruders und fühlt sich hintergangen. Andererseits sehnt sie sich immer noch nach seiner Anerkennung und ringt mit dem Gefühl, dass der Missbrauch ihre Schuld war, weil sie nachgegeben und nie darum gebeten hat, dass er aufhört. Danielas Zwiespalt gegenüber ihrem Bruder und ihre Selbstzweifel machten es ihr viele Jahre lang schwer, Hilfe zu suchen oder mit jemandem über den Missbrauch zu sprechen.

Manche Betroffene empfinden diese Ambivalenz gegenüber ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen, manchmal sogar intensiver als gegenüber ihren Geschwistern. Obwohl sexueller Missbrauch durch Geschwister auch in Familien mit aufmerksamen und liebevollen Eltern vorkommen kann, ringen viele Betroffene mit ihren Gefühlen gegenüber den Eltern, die vielleicht abwesend waren, mit ihren eigenen Beziehungsproblemen beschäftigt waren, einige Geschwister gegenüber anderen bevorzugten oder schlecht reagierten, als der Missbrauch ans Licht kam. Die Forschung zeigt, dass es selbst normalen Eltern schwerfällt, angemessen einzugreifen, wenn es zu Missbrauch zwischen ihren Kindern kommt. Wenn keine angemessenen Maßnahmen ergriffen werden, kann dies bei dem betroffenen Kind Verbitterung und Schmerz auslösen.1

Charlottas* Eltern waren z. B. den Großteil ihres Lebens ein großartiges Beispiel für Liebe und Fürsorge, aber kehrten den Missbrauch von Charlotta unter den Teppich, weil sie meinten, dass es zu viel Unruhe in der Familie verursachen würde. Infolgedessen fühlt sich Charlotta von ihrer Familie sowohl geliebt als auch ungeliebt, und diese Ambivalenz verunsichert sie im Umgang mit ihrer Familie.

Da der Körper automatisch auf bestimmte Sinneseindrücke oder Situationen reagiert, sind viele Betroffene verwirrt darüber, wie ihr Körper auf den Missbrauch reagiert hat, und können auch im Erwachsenenalter noch sexuelle Gedanken oder Fantasien in Bezug auf diese Erfahrungen haben. Dies kann zu einem konfliktreichen Verhältnis zu körperlicher Intimität und zu Schamgefühlen führen. Manche Betroffene haben auch das Gefühl, dass ihr Körper positiv auf die sexuellen Berührungen reagiert hat und sie den Missbrauch mochten oder verdient haben - Keiner verdient es, missbraucht zu werden.

Wenn du widersprüchliche oder ambivalente Gefühle gegenüber deinem Missbrauch, deinem Geschwisterteil, deiner Familie oder sogar dir selbst hast, bist du nicht allein. Du bist weder gut noch schlecht, weil du bestimmte Gefühle oder Reaktionen hast, und diese Gefühle und Reaktionen bestimmen nicht, wer du bist. Du kannst hier mehr über deine Emotionen erfahren, ein Gespräch mit einem ausgebildeten Therapeuten kann dir helfen, deine Erfahrungen besser zu verstehen und aufzuarbeiten.

Macht und Kontrolle 

Sexueller Missbrauch unter Geschwistern entwickelt sich oft im Laufe der Zeit. Was in manchen Situationen als nicht missbräuchliches Spiel beginnt, kann zu Missbrauch eskalieren, vor allem wenn Zwang, Macht oder Gewalt zu bestimmenden Merkmalen werden. Johannes* wurde von seinem älteren Bruder sexuell missbraucht, nachdem dieser Ärger mit seinen Eltern hatte und auf diese Weise die Kontrolle über ihn zurückgewann. Als Erwachsener sorgt Johannes dafür, dass er in all seinen Beziehungen derjenige ist, der die Macht und die Kontrolle hat, und wird leicht frustriert, wenn er das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren. Insgeheim empfindet Johannes tiefe Scham, Verlegenheit und Verlust über seine Kindheit und die Beziehung zu seinem Bruder, die er gerne gehabt hätte, statt jene, die er hatte.

Es liegt in der Natur von sexuellem Missbrauch durch Geschwister, dass die Schuld häufig zu Unrecht auf den/die Betroffene/n geschoben wird. Manche Betroffene werden von den Geschwistern (oder anderen) überzeugt, dass es ihre Schuld war oder dass sie, wie bereits erwähnt, weil ihr Körper auf eine bestimmte Weise reagierte oder weil sie sich fügten, dafür verantwortlich waren. Ähnlich wie bei Johannes ging es auch bei Andrea* um Kontrolle und Manipulation durch ihr Geschwisterkind, das Andrea ebenfalls einredete, sie sei schuld. Im Gegensatz zu Johannes findet sich Andrea in ihren erwachsenen Beziehungen in einer passiven Rolle wieder, selbst in Momenten, in denen sie versucht, sich durchzusetzen. Ihr Gefühl der Machtlosigkeit führt in intimen Momenten mit ihrem Partner oft zu Erstarrung. Ähnlich wie Johannes empfindet sie insgeheim tiefe Scham, Verlegenheit und Trauer über ihre Kindheit.

Wenn du in deinen Beziehungen oder anderen Bereichen deines Lebens mit Macht und Kontrolle kämpfst, bist du nicht allein. Deine wahre Stärke liegt in dir selbst, und du hast die Fähigkeit, zu heilen. Du verdienst es, ausgeglichene und sichere Beziehungen zu deinen Mitmenschen zu haben. Hier erfährst du mehr über Beziehungen. Du kannst auch mit einem Therapeuten, der sich auf Beziehungen spezialisiert, deine Beziehungsfähigkeiten weiter ausbauen.

Hoffnung und Vertrauen 

Hoffnung ist die Fähigkeit das Licht trotz der Dunkelheit zu sehen.

—Desmond Tutu

Stell dir vor, dass eine bestimmte Tür in deinem Haus immer wieder klemmt, wenn du sie öffnen willst. So fängst du an, eine andere Tür zu benutzen und hörst schließlich ganz auf, die Tür zu benutzen, die ständig klemmt. Wenn dein Vertrauen missbraucht wird, ist es ähnlich wie bei der klemmenden Tür. Mit der Zeit lernst du eventuell, der Person oder Institution nie wieder zu vertrauen.

Das Vertrauen, das durch ein Trauma zerstört wurde - sei es durch den Missbrauch selbst, die Reaktionen anderer oder deinen Glauben an dich selbst - kann sich anfühlen, als ob jede Tür in deinem Haus klemmt und du niemandem mehr trauen kannst. Du hast vielleicht das Gefühl, festzustecken, hilflos oder hoffnungslos zu sein, dass es zukünftig anders sein wird.

Diese Gefühle sind angesichts der Erfahrungen, die du gemacht hast, absolut verständlich. Du hast dich an deine Situation angepasst, und Misstrauen kann in vielen Fällen, in denen dir jemand schaden könnte, sehr hilfreich sein, um dich zu schützen - zumindest unter bestimmten Umständen. Verletzlichkeit würde bedeuten, dass du dich der Möglichkeit aussetzt, dass man dir wehtut. Aber verletzbar zu sein bedeutet auch, dass du Liebe, Freude und Heilung erfahren kannst.

Nie sind wir so verletzlich, wie wenn wir jemandem vertrauen - aber paradoxerweise können wir weder Liebe noch Freude empfinden, wenn wir nicht vertrauen können.

—Walter Anderson

Interessanterweise bedeutete das Wort Hoffnung ursprünglich Vertrauen. Im Laufe der Zeit hat sich die Definition von Hoffnung weiterentwickelt und bedeutet nun, dass man etwas mit Zuversicht erwartet, und - mein persönlicher Favorit - dass man einen Wunsch mit Vorfreude hegt.2

Schätze die Hoffnung. Schätze das Heilen. Vertraue darauf, dass sich die Türen öffnen, die zu Sicherheit, Heilung und Wachstum führen. Wenn du auf der Suche nach Hoffnung bist, bist du nicht allein.3

 

*Namen wurden geändert.

Wenn du in einer Krisensituation steckst oder einfach nur mit jemandem reden möchtest, kannst du (in den USA) 1-800-273-8255 anrufen, und mit einem geschulten Krisenhelfer sprechen. Die deutsche Krisenhotline ist: TelefonSeelsorge® Deutschland - Sorgen kann man teilen 0800/1110111 · 0800/1110222 · 116123.

Krisenhotline für Österreich: 142
Dargebotene Hand - Schweizer Sorgentelefon: 143

(USA) Du kannst auch eine SMS an die Nummer 741741 schicken, um mit einem geschulten Berater zu sprechen.
(Kanada: Text 686868. UK: Text 85258).

6 wichtige Prinzipien, die du deinem Kind über Sex vermitteln solltest

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6 wichtige Prinzipien, die du deinem Kind über Sex vermitteln solltest

Es gibt sechs grundlegende sexuelle Gesundheitsprinzipien, die bei Entscheidungen über die eigene Sexualität helfen können. Dies sind wichtige Konzepte, die du deinem Kind oder  Teenager beibringen solltest, zusätzlich zu dem, was du in deinem eigenen Leben lernst und vorlebst. Bei jedem dieser Prinzipien geht es um Sicherheit, Vertrauen, Kommunikation, Respekt und korrekte Informationen – all das sind Schlüssel zu sexueller Gesundheit und Zufriedenheit. Während du diese liest, denke darüber nach, wie sie sich auf dich und deine Familie beziehen, und entscheide, ob es andere Rechte oder Prinzipien gibt, die du hinzufügen möchtest, wenn du mit deinem Kind oder Teenager darüber sprichst. Nicht alles, was unten steht, ist für alle Altersgruppen geeignet. Nutze dein Urteilsvermögen, um zu entscheiden, wofür dein Kind bereit ist.

01

Einverständnis

Einverständnis ist die volle, andauernde, gegenseitige Zustimmung zu sexuellen Aktivitäten zwischen den beteiligten Personen. Das Einverständnis beinhaltet das Recht auf:

  • Entscheide, woran du teilnehmen möchtest, woran du nicht teilnehmen möchtest oder worauf du ganz verzichten möchtest.
  • Du kannst deine Meinung jederzeit ändern.
  • Verstehe genau, worauf du dich einlässt.

02

Keine Ausbeutung oder Ausnutzung 

Exploitative Beziehungen nutzen Zwang und Machtgefälle, um eine Person über eine andere zu stellen. Du hast das Recht auf nicht-ausbeuterische Beziehungen, das umfasst:

  • Sich bei sexuellen Aktivitäten sicher zu fühlen.
  • Nicht aufgrund von Alter, Geschlecht, Religion, Fähigkeiten, Herkunft, usw. ausgenutzt zu werden.
  • Deine Bedürfnisse, Sorgen und Vorlieben in Bezug auf deine Sexualität äußern zu können.
  • Anderen nicht auf eigene Kosten zu gefallen.

03

Schutz

Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, HIV und ungewollten Schwangerschaften wird durch medizinisch korrekte Aufklärung, Informationen über das Risiko, das jedes teilnehmende Mitglied für das andere darstellt und den Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung und Ressourcen gewährleistet. Du hast das Recht:

  • Nach dem Risiko zu fragen, die deine Partner für deine sexuelle Gesundheit darstellen.
  • Sexuellen Verkehr, ohne die Verwendung von Verhütungsmitteln zu verweigern.
  • Dich und andere über verschiedene Verhütungsmittel zu informieren.

04

Ehrlichkeit

Ehrlichkeit bedeutet, innerhalb einer sexuellen Beziehung die Wahrheit zu leben. Partner sollten freiwillig wichtige Informationen in einem Umfeld der Sicherheit und des Vertrauens teilen können. Du hast das Recht dazu:

  • Ehrlich mit dir selbst und deinen Partnern zu sein.
  • Genaue Informationen zu geben und zu erhalten, auch wenn viel auf dem Spiel steht.
  • Fragen an deinen Sexpartner zu stellen, die deine sexuelle und emotionale Gesundheit betreffen.

05

Werte

Sexuelle Aktivitäten können für verschiedene Menschen unterschiedliche Bedeutungen haben. Das Teilen von sexuellen Werten kann helfen zu klären, was in der Beziehung für jede Person akzeptabel ist sowie klare Erwartungen schaffen. Du hast das Recht:

  • Dir Zeit zu nehmen, um deine eigenen Werte und die deines Partners in Bezug auf Sexualität zu kennen.
  • Dass deine Werte respektiert werden, ohne dass sie herabgesetzt oder verurteilt werden.
  • Dich sicher zu fühlen, deine Werte zu teilen und zu erklären, warum du sie hast.

06

Vergnügen

Sichere sexuelle Erfahrungen, die auf Vertrauen aufgebaut sind, haben die Eigenschaft, Freude und Zufriedenheit für alle Beteiligten zu erzeugen. Du hast das Recht dazu:

  • Deine persönlichen sexuellen Vorlieben, Ausdrücke und Wünsche zu entdecken.
  • Dich beim sexuellen Erkunden sicher zu fühlen.
  • Gegenseitiges Vergnügen ohne Schmerzen zu erfahren.

Wenn du über diese Prinzipien nachdenkst und sie mit deinem Kind teilst, wirst du vielleicht Dinge finden, die zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Situationen mehr ankommen. Mit deinem Kind oder Teenager offene und ehrliche Gespräche über Sex und eine gesunde Sexualität zu führen, ist eines der wichtigsten Dinge, die du mit ihm tun kannst. Es kann dein Kind davor bewahren, sexuell missbraucht zu werden, ihm helfen, glücklichere und gesündere Beziehungen zu führen und es ihm ermöglichen, informiertere Entscheidungen in Bezug auf Sex und Sexualität zu treffen.

Lerne, Warum die ACE Studie für Eltern Wichtig Ist

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Lerne, Warum die ACE Studie für Eltern Wichtig Ist

Eine der umfassendsten Studien über die langfristigen Auswirkungen von negativen Erlebnissen in der Kindheit ist die ACE-Studie. In diesem Beitrag wird kurz erklärt, was sie ist und wie sie dir als Eltern oder Erziehern helfen kann, ein ausgeglichenes und starkes Kind aufzuziehen. 

Von 1995 bis 1997 sammelten ‚Kaiser Permanente‘ und die ‚Centers for Disease Control and Prevention‘ Teilnehmer für eine Langzeitstudie, die unter dem Namen Adverse Childhood Experiences (ACE) Study bekannt geworden ist. Die Studie endete mit 17.337 Teilnehmern. 

Was misst die ACE-Studie?

Die ACE-Studie hat Menschen befragt, ob sie eines der folgenden 10 Dinge als Kind erlebt haben: 

01

EMOTIONALER MISSBRAUCH

02

KÖRPERLICHER MISSBRAUCH

03

SEXUELLER MISSBRAUCH

04

GEWALT AN DER MUTTER

05

SUCHTERKRANKUNGEN IM ZUHAUSE

06

PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN IM HAUSHALT

07

TRENNUNG ODER SCHEIDUNG DER ELTERN

08

INHAFTIERTES HAUSHALTSMITGLIED

09

EMOTIONALE VERNACHLÄSSIGUNG

10

KÖRPERLICHE VERNACHLÄSSIGUNG

Jedes der oben genannten Erlebnisse erhöhte die Punktezahl des Teilnehmers. Je höher die Punktzahl, desto höher ist das Risiko einer Person für folgende Themen, hierbei ist zu beachten, dass diese Liste nicht vollständig ist: 

  • Alkoholismus 
  • Depression 
  • Illegaler Drogenkonsum 
  • Finanzieller Stress 
  • Selbstmordversuche 
  • Ungewollte Schwangerschaften 
  • SEXUELLE GEWALT 
  • Schlechte akademische Leistung 

      Auf der Website der CDCkannst du einen genaueren Blick auf die Studie und die Risiken, die mit einer hohen ACE-Bewertung verbunden sind, werfen. 

      Was können wir von der ACE-Studie lernen? 

      Wenn du dir die erste Liste ansiehst, kannst du sehen, dass Eines zum anderen führen kann. Wenn die Mutter eines Kindes missbraucht wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind in der einen oder anderen Form missbraucht wird. Emotionale Vernachlässigung kann dazu führen, dass ein Kind zum Ziel eines Täters von sexuellem Missbrauch wird. Eine psychische Erkrankung im Haushalt kann bedeuten, dass ein Kind körperlich vernachlässigt wird. Es ist schwierig, einen Aspekt des ACE-Studie zu nehmen, ohne ihn mit einem anderen zu verknüpfen. 

      Was hat das nun damit zu tun, dass du verhindern willst, dass dein Kind sexuell missbraucht wird? 

      Die ACE-Studie zeigt uns, dass es Dinge gibt, die dein Kind anfälliger für sexuellen Missbrauch machen. Wenn Sie sich den potenziellen ACE-Wert Ihres Kindes ansehen, können Sie die Stellen sehen, an denen Sie mehr Konzentration und Energie aufwenden müssen. 

      Wenn sich dein Kind zum Beispiel durch deine kürzliche Scheidung emotional vernachlässigt fühlt, hast du immer noch Zeit, diese Situation zu ändern. Nimm dich selbst unter die Lupe und sei ehrlich darüber, was du tun kannst, um die ACE-Bewertung deines Kindes zu senken. Je besser du informiert bist, desto bessere Entscheidungen kannst du treffen. Ermögliche es deinem Kind sich zu einem gut angepassten, gut entwickelten Erwachsenen zu heranzuwachsen. 

      8 Gerüchte über Sexuellen Kindesmissbrauch

      Saprea > Blog > Alle Blogs > 8 Gerüchte über Sexuellen Kindesmissbrauch

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      8 Gerüchte über Sexuellen Kindesmissbrauch

      Wenn Gerüchte über sexuellen Kindesmissbrauch weit verbreitet sind, ist es wahrscheinlicher, dass Überlebende verstummen.

      Um das Schweigen zu brechen und das Risiko von sexuellem Missbrauch zu senken, musst du die Wahrheit über sexuellen Missbrauch kennen. Im Folgenden findest du acht Gerüchte, die wir gemeinsam aus der Welt schaffen müssen:

      01

      Sexueller Missbrauch bedeutet immer, dass es körperlichen Kontakt gibt

      Der sexuelle Missbrauch kann sich auch auf Handlungen beziehen, die keinen körperlichen Kontakt aufweisen. Die Täter können Kinder Pornografie oder Voyeurismus aussetzen. Dies kann dieselben langfristigen Auswirkungen auf ein Kind haben wie körperlicher sexueller Missbrauch.

      02

      Sexueller Missbrauch passiert nur Mädchen und Frauen

      Auch wenn der Missbrauch von Jungen nicht so oft diskutiert wird, wird laut Statistiken 1 von 101 Jungen sexuell missbraucht, bevor er 18 Jahre alt ist. Deine Söhne brauchen deinen Schutz, genauso wie deine Töchter ihn brauchen.

      03

      Fremde sind die größte Ursache von sexuellem Missbrauch

      Oftmals sind die Täter Menschen, mit denen wir regelmäßig Kontakt pflegen. Es wurde berichtet, dass 80% derjenigen, die missbraucht werden, ihren Missbraucher kannten.2 Obwohl die Gefahr durch Fremde ein Risiko darstellt, ist es keineswegs das größte Risiko.

      04

      Sexueller Missbrauch geschieht nur in dunklen Gassen, in Büschen oder Autos.

      Sexueller Missbrauch kann (und wird) überall stattfinden, wo sich Kinder aufhalten, einschließlich Schulen, Kirchen, Gemeindezentren, Sportvereine oder zu Hause. Sexueller Missbrauch kann sogar online stattfinden. Deshalb ist es wichtig, immer wachsam zu sein und mit deinen Kindern einen ständigen Dialog über die Risiken von Missbrauch zu führen.

      05

      Sexueller Missbrauch wird immer den Behörden gemeldet

      Aufgrund der Scham, die mit diesem Thema verbunden ist, werden viele Fälle von sexuellem Missbrauch nicht gemeldet. Weniger als 12% aller Fälle werden den zuständigen Behörden gemeldet. Ein Großteil davon ist darauf zurückzuführen, dass die Täter dem Kind drohen, um ihren Missbrauch zu verheimlichen. Noch viel schlimmer ist, dass Familien es oft unter den Teppich kehren, nachdem sich das Kind ihnen anvertraut hat, was zu weiteren langfristigen Schäden führt. 

      06

      Sexhandel kommt nicht in deiner Umgebung vor

      Menschenhandel kommt in jeder Gemeinde vor. Nach Angaben von DoSomething.org wurde die Mehrheit der Opfer des Kindersexhandels von einem Familienmitglied gehandelt, und fast 46% wurden von einem Elternteil oder Vormund gehandelt.3 Das Durchschnittsalter, in dem ein Kind in den USA in den Sexhandel einsteigt, liegt zwischen 12 und 17 Jahren.4 Es spielt keine Rolle, wie groß oder klein die Stadt ist, in der du lebst; Menschenhandel findet auch in deiner Gemeinde statt.

      07

      Missbrauch wird nur von Erwachsenen verübt

      In mehr als der Hälfte der Fälle wird ein Kind von einem anderen Jugendlichen sexuell missbraucht.5 Einige Kinder, die dieses Verhalten an den Tag legen, sind selbst Opfer von sexuellem Missbrauch geworden. Andere Faktoren können darin bestehen, dass sie sexuell eindeutigem Material ausgesetzt waren, Zeugen sexueller Handlungen wurden oder andere Formen des Missbrauchs erlebt haben. In einigen Fällen handelt das Kind impulsiv, ohne die Absicht, Schaden anzurichten. Je eher diese Verhaltensweisen angesprochen werden, desto eher werden sie aufhören.

      08

      Der sexuelle Missbrauch wird stattfinden und ich kann nichts dagegen tun

      Informierte Eltern und Betreuer können die Wahrscheinlichkeit von sexuellem Missbrauch erheblich verringern. Wenn du dich darüber informierst, wie du sexuellem Missbrauch vorbeugen, ihn erkennen und auf ihn reagieren kannst, hast du das nötige Wissen, um deine Kinder zu schützen. Wenn du mit deinen Kindern einen offenen Dialog über gesunde Sexualität führst, wird das dazu beitragen, dass sie sich dir bei diesem schwierigen Thema anvertrauen können.

      Was kannst du tun, wenn du den Verdacht hast, dass dein Kind sexuell missbraucht wurde?

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      Was kannst du tun, wenn du den Verdacht hast, dass dein Kind sexuell missbraucht wurde?

      Vielleicht hast du ein paar körperliche oder verhaltensbezogene Anzeichen von sexuellem Missbrauch an deinem Kind oder einem anderen Kind bemerkt. Was jetzt?

      Die meisten Länder haben klare Gesetze, was du tun solltest, wenn du einen Verdacht auf Kindesmissbrauch hast. Lerne die Gesetze deines Landes kennen, damit du weißt, was du tun musst und in welcher Reihenfolge du es tun musst.

      Aber, noch wichtiger, wie solltest du reagieren und was solltest du zu deinem Kind sagen? Hier sind acht Dinge, die dir helfen können, auf die Situation einzugehen, nachdem du die Anzeichen erkannt hast.

      01

      GEHE VORSICHTIG MIT DEINEM KIND UM

      Es kann sein, dass dein Kind sich schämt, verlegen ist oder sogar Angst hat, wenn es darum geht über den Missbrauch zu sprechen. Achte darauf, dass du einfühlsam auf die Gefühle deines Kindes eingehst, während du mit ihm sprichst.

      02

      AGIEREN, NICHT REAGIEREN

      Zusätzlich zu den Emotionen deines Kindes musst du darauf achten, dir deiner eigenen Emotionen bewusst zu sein. Deine Wut auf den Täter könnte von deinem Kind missverstanden werden, sodass es denkt, dass du wütend auf es bist. Es ist wichtig, dass du deine Emotionen im Griff hast und auf eine kontrollierte und liebenswürdige Weise reagierst. Dies wird helfen, Vertrauen zu deinem Kind aufzubauen oder zu erhalten.

      03

      HÖRE ZU

      Du möchtest vielleicht jedes Detail über die Situation wissen, aber verhöre dein Kind nicht. Nimm dir die Zeit, aktiv zuzuhören. Lass es dir sagen, was es will, wie es will und in welcher Reihenfolge es will. Es wird später genug Zeit geben, um die Details zu erfahren.

      04

      VERSICHERE DEINEM KIND, DASS ES JETZT SICHER IST

      80% der Missbrauchstäter sind Personen, die das Kind kennt und es könnte jemand sein, dem es vertraut hat. Mach dem Kind klar, dass es bei dir sicher ist und dass es sich dir anvertrauen kann.

      05

      VALIDIERE DIE GEFÜHLE DEINES KINDES

      Was auch immer dein Kind fühlt, ist für die Situation völlig in Ordnung, sogar dann, wenn dieses „Gefühl“ ein Gefühl der Empfindungslosigkeit ist. Lass dein Kind wissen, dass seine Gefühle wichtig sind und ignoriere nicht die Schamgefühle, die es vielleicht empfindet. Seine Gefühle zu ignorieren, kann auf lange Sicht mehr Schaden anrichten als helfen.

      06

      ERZWINGE NICHTS!

      Das Kind ist vielleicht noch nicht zum Reden bereit. Es ist vielleicht noch nicht bereit, dir zu zeigen, wo es weh tut. Dränge es nicht. Manchmal ist die beste Hilfe, sie wissen zu lassen, dass du es weißt und dass du da bist, wenn sie bereit sind mit dir zu reden.

      07

      ES IST NICHT DIE SCHULD DES KINDES

      Das mag für dich offensichtlich erscheinen, aber nicht für das betroffene Kind. Es ist üblich, dass Kinder sich selbst die Schuld für den Missbrauch oder einen Teil davon geben. Versichere deinem Kind, dass es nicht seine Schuld ist und dass es nicht dafür verantwortlich ist, was der Missbraucher getan hat.

      08

      SUCHE PROFESSIONELLE HILFE AUF

      Ein sexueller Missbrauch kann die gesamte Familie und die Familiendynamik beeinflussen. Ein Therapeut wird nicht nur die notwendigen Maßnahmen für einen gesunden Heilungsprozess des Kindes einleiten, sondern kann auch der Familie helfen, zu heilen.
      Du magst dich in dieser Situation mit deiner Verantwortung überfordert fühlen, aber führe dir bewusst vor Augen, dass du deinem Kind hilfst. Tue dein Bestes und hole dir die notwendige Hilfe von Fachleuten. Du bist ihr Elternteil, Vormund und/oder Vertrauensperson. Was du tust, kann und wird einen großen Unterschied für das Kind machen, damit es Hoffnung schöpfen und seine Heilung angehen kann.

      6 Vorbereitungsmuster von Tätern, die alle Eltern kennen müssen

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      6 Vorbereitungsmuster von Tätern, die alle Eltern kennen müssen

      Das Verständnis von Grooming-Verhalten und wie Grooming zu Kindesmissbrauch führt, ist für den Schutz von Kindern von entscheidender Bedeutung. TäterInnen sexuellen Kindesmissbrauchs sind nicht immer gefährliche Personen, die auf Spielplätzen nach Gelegenheiten Ausschau halten. Tatsächlich kennen laut dem Crimes Against Children Research Center 80 % der Kinder, die sexuell missbraucht werden1, ihre/n TäterIn. Diese TäterInnen treffen bewusste Entscheidungen, um Kinder für den Missbrauch zu groomen. Durch das Verständnis, wie Grooming funktioniert, können Erwachsene effektiver eingreifen, reagieren und Kinder vor Schaden schützen.

      Was ist Grooming? Den Grooming-Prozess verstehen

      Grooming ist der gezielte Prozess, mit dem ein/e TäterIn Vertrauen zu einem jungen Menschen, dessen Bezugspersonen oder sogar dessen Umfeld aufbaut, um den Missbrauch vorzubereiten. Der Grooming-Prozess kann schrittweise erfolgen und sieht oft wie eine enge Beziehung aus, die andere für Mentoring, Freundschaft oder besondere Aufmerksamkeit halten könnten. Dabei wird Vertrauen aufgebaut, während die Verletzlichkeit des Kindes ausgenutzt wird.

      Das australische Nationale Amt für Kindersicherheit beschreibt den Zweck des Grooming-Prozesses wie folgt:

      • Zugang zu dem Kind oder Jugendlichen zu erlangen, um sexuellen Missbrauch zu begehen,
      • sexuelles Material des Kindes oder Jugendlichen zu erlangen,
      • das Vertrauen und/oder die Einwilligung des Kindes oder Jugendlichen zu erlangen,
      • das Schweigen des Kindes oder Jugendlichen zu gewährleisten und/oder,
      • die Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs zu vermeiden.

      Sexuelles Grooming ist nicht immer offensichtlich und wird von Kindern selten gemeldet. Groomer nutzen oft die Verletzlichkeit eines Kindes aus, wie z. B. geringes Selbstwertgefühl oder das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, und versetzen sich selbst in eine Machtposition oder treten als Vertrauensperson im Leben eines jungen Menschen auf. Es könnte sich um eine/n MitarbeiterIn der Schule deines Kindes handeln, um die/den TrainerIn oder MusiklehrerIn deines Kindes, um jemanden aus deiner Kirchengemeinde, um das Kindermädchen oder sogar um ein Mitglied deiner eigenen Familie.

      Darüber hinaus kommt es in der heutigen Welt immer häufiger zu Online-Grooming. Über soziale Medien und andere digitale Plattformen können TäterInnen außerhalb der Sichtweite von Eltern und Betreuern eine besondere Beziehung zu potenziellen Opfern aufbauen..

      Auch wenn dieser Gedanke beängstigend sein mag, hilft das Verständnis dessen, was Grooming ist, und das Bewusstsein für Grooming-Muster dabei, deine elterliche Intuition zu stärken und das Risiko zu verringern, dass dein Kind sexuell missbraucht wird.

      Sechs häufige Grooming-Verhaltensweisen, die alle Eltern kennen sollten: Die Phasen des Groomings erkennen

      TäterInnen sexuellen Missbrauchs gibt es in allen Formen und Ausprägungen, doch es gibt Dinge, die fast alle TäterInnen gemeinsam haben: Sie nutzen oft bestimmte Verhaltensweisen, um ein Kind für den Missbrauch vorzubereiten. Diese Verhaltensweisen sind methodisch, subtil, schrittweise und eskalierend (das heißt, sie verstärken sich mit der Zeit). Wir bezeichnen diese Verhaltensweisen in der Regel als „Grooming-Verhaltensweisen”.
      01
      BEZIEHUNGEN AUFBAUEN UND VERTRAUEN SCHAFFEN

      TäterInnen versuchen, Beziehungen zu Kindern aufzubauen. Sie wählen ein Kind als „besonders“ aus und schenken ihm oder ihr zusätzliche Aufmerksamkeit, Zeit und Geschenke, um eine Bindung zwischen ihnen aufzubauen. Sie interessieren sich besonders für das Aussehen und die Kleidung des Kindes und machen möglicherweise übermäßig viele Fotos von ihm.

      Indem du eine Beziehung zu deinem Kind aufbaust, in der du dich auf dessen Interessen, Meinungen und Sorgen konzentrierst, bist du besser in der Lage, unangemessene Beziehungen im Leben deines Kindes zu erkennen.

      02
      GRENZEN TESTEN

      TäterInnen werden versuchen, die Grenzen des Wohlbefindens deines Kindes auszutesten. Manchmal erzählen sie anzügliche oder sexualisierte Witze, um zu sehen, wie das Kind reagiert. Sie versuchen möglicherweise, sexualisierte Spiele wie „Hosen runter“, „Wahrheit oder Pflicht“ oder „Strip-Spiele“ zu spielen.

      Sie beobachten, wie das Kind reagiert, wenn sie dessen Zimmer oder normale Orte betreten, an denen Kinder Privatsphäre erwarten dürfen, wie beispielsweise die Toilette. Dieses Testen von Grenzen ist ein Warnsignal, anhand dessen Groomer einschätzen, ob sie ihr Grooming-Verhalten eskalieren können.

      TäterInnen agieren gerne im Verborgenen, und das Testen von Grenzen hilft ihnen dabei, herauszufinden, ob sie weitermachen können, ohne erwischt zu werden.

      03
      BERÜHRUNG / KÖRPERLICHER KONTAKT

      TäterInnen testen die Grenzen des körperlichen Kontakts mit deinem Kind aus. Sie fangen meistens mit nicht-sexuellen Berührungen wie High-Fives und Umarmungen an. Dann gehen sie vielleicht langsam zu unangemessenen Berührungen über, wie zum Beispiel das zufällige Streifen einer intimen Körperstelle, nur um zu sehen, wie das Kind reagiert. Sie könnten das Kind küssen oder es auf ihren Schoß setzen.

      Wichtig ist, dass sie von sehr unschuldigen Berührungen zu eher sexuellen körperlichen Kontakten übergehen, um die Reaktion des Kindes zu testen. Diese schrittweise Eskalation des körperlichen Kontakts ist ein häufiges Merkmal des Verhaltens von TäterInnen und ihrer Grooming-

      Taktiken, um das Kind für unangemessene Berührungen unempfindlich zu machen.

      Indem du deine Kinder frühzeitig über ihren Körper, Einwilligung und Sexualität aufklärst, können sie diese unangemessenen Verhaltensweisen, mit denen Grenzen ausgetestet werden, besser erkennen.

      04
      EINSCHÜCHTERN UND KONTROLLIEREN

      TäterInnen wenden Einschüchterung an, um das Kind davon abzuhalten, einer anderen Person von dem Missbrauch zu erzählen. Sie beginnen damit, die Reaktion des Kindes zu testen, indem sie es für etwas Einfaches beschuldigen. Sie beobachten, ob das Kind sich wehrt oder es einem Erwachsenen erzählt. Dann gehen sie dazu über, das Kind zu bedrohen oder ihm/ihr Schuldgefühle und/oder Schamgefühle einzuflößen.

      Groomer nutzen oft Angst oder Verlegenheit, um das Kind davon abzuhalten, einer anderen Person von dem Missbrauch zu erzählen. Sie verwenden möglicherweise Aussagen wie „Niemand wird dir glauben“ oder drohen ihnen mit Gefahr (oder Gefahr für jemanden, den sie lieben), um die Kontrolle und das Schweigen aufrechtzuerhalten.

      Indem du bewusst eine starke und gesunde Beziehung zu deinem Kind aufbaust, hältst du die Wege der Kommunikation offen. Diese Art von Beziehung gibt Kindern die Möglichkeit, ohne Angst zu erzählen, was in ihrem Leben vor sich geht.

      05
      TEILEN VON SEXUELL ANSTÖSSIGEN INHALTEN

      TäterInnen teilen häufig sexuelle Inhalte und sexualisierte Materialien, um sexuelle Aktivitäten und Verhaltensweisen zu normalisieren. Sie verwenden in Anwesenheit deines Kindes unbekümmert sexuelle Ausdrücke. Sie zeigen möglicherweise sexualisierte Bilder oder Videos und beginnen oft zunächst über Nachrichten oder SMS eine sexuell geprägte Beziehung. Kinder solchen Inhalten auszusetzen, ist eine Form der Desensibilisierung gegenüber unangemessenen Themen und kann zu missbräuchlichen Interaktionen führen.

      Indem du die Nutzung von Technologie durch dein Kind überwachst, kannst du besser erkennen, welche sexuell anstößigen Inhalte es sendet oder empfängt.

      06
      HEIMLICHE KOMMUNIKATION
      TäterInnen suchen nach Kommunikationswegen, um heimlich mit einem Kind zu kommunizieren. Diese Interaktionen können online über soziale Medien oder private Messaging-Plattformen beginnen. Oft regen sie das Kind dazu an, SMS und Nachrichten zu schreiben, die leicht vor anderen verborgen werden können. Denke daran, dass TäterInnen im Verborgenen agieren und das Kind daher wahrscheinlich dazu ermutigen werden, die Interaktionen geheim zu halten – dies ist ein wichtiges Warnsignal.

      Beispiele für Grooming-Verhaltensweisen

      Safe Kids Thrive beschreibt TäterInnen sexuellen Kindesmissbrauchs als aktive Entscheidungsträger. Groomer schätzen kontinuierlich die Wahrscheinlichkeit ein, mit der sie dieses Verbrechen erfolgreich begehen können, und wägen dabei das Risiko ab, erwischt zu werden. Nachstehend findest du eine Liste mit weiteren Beispielen für Verhaltensweisen von Groomern und Warnzeichen, auf die du achten solltest:
      Groomer können:
      • häufig die Zweisamkeit mit dem Kind, insbesondere an Orten, die nicht leicht zu überwachen sind, suchen
      • die Gesellschaft des Kindes der von Erwachsenen vorziehen
      • heimlich über soziale Medien oder Gaming-Plattformen Kontakt zum Kind aufnehmen
      • Gelegenheiten schaffen, um außerhalb ihrer vorgesehenen Rolle (z. B. als Lehrer, Trainer usw.) mit dem Kind allein zu sein
      • versuchen, sich in das Familienleben zu integrieren
      • sich „versehentlich” vor dem Kind entblößen
      • dem Kind erlauben oder ermutigen, Dinge zu tun, die die Eltern nicht erlauben
      • das Kind übermäßig berühren – umarmen, küssen, kitzeln, halten es fest –, auch wenn das Kind dies nicht möchte
      • großes Interesse an der sexuellen Entwicklung des Kindes zeigen
      • die Privatsphäre und die persönlichen Grenzen des Kindes nicht respektieren
      • mit Schmeicheleien Vertrauen und Nähe aufbauen
      • unangemessene Gespräche über sexuelle Themen anregen
      • sexuelle Witze oder Sprache verwenden oder setzen das Kind „zufällig“ Pornografie oder anderen sexuellen Inhalten aus
      • dem Kind ohne Erlaubnis der Erziehungsberechtigten Geschenke machen und verlangen, dass diese Geschenke geheim gehalten werden
      • Bedenken hinsichtlich ihres Umgangs mit dem Kind herunterspielen

      Grooming von Familienmitgliedern und der Gemeinschaft

      Einer der am meisten missverstandenen Aspekte des Groomings ist, dass es nicht immer nur auf Kinder abzielt – es kann auch Familienangehörige, Freunde und sogar die breitere Gemeinschaft einschließen. Groomer sind geschickte Manipulatoren, die wissen, dass sie durch das Gewinnen des Vertrauens des Unterstützungsnetzwerks eines Kindes Verdacht vermeiden und sich Zugang verschaffen können. Sie geben sich möglicherweise alle Mühe, um gegenüber Eltern und BetreuerInnen hilfsbereit, großzügig oder charmant zu wirken, und positionieren sich oft als vertrauenswürdige Personen oder sogar Vorbilder.

      Ein Groomer kann beispielsweise:

      • anbieten, für die Familie zu babysitten oder Kinderbetreuung zu übernehmen
      • der Familie Geschenke machen
      • sich intensiv am Leben der Familie beteiligen
      • sich ehrenamtlich in lokalen Jugendorganisationen engagieren
      • den Kindern Fahrdienste anbieten
      • zu Übernachtungen in ihrem Haus einladen
      • immer an Gemeinschaftsveranstaltungen teilnehmen (z. B. Geburtstagsfeiern, Schulaufführungen usw.).
      • Alleinerziehenden besondere Aufmerksamkeit oder Hilfe entgegenbringen

      Durch dieses berechnende Verhalten kann es für Erwachsene viel schwieriger sein, die Warnsignale zu erkennen oder einem Kind zu glauben, wenn es Bedenken äußert.

      In einigen Fällen isolieren Groomer das Kind langsam, indem sie ein Gefühl der Abhängigkeit oder Geheimhaltung schaffen und gleichzeitig starke, positive Beziehungen zu den Menschen in seinem Umfeld aufbauen. Durch ihre hohe Sichtbarkeit innerhalb von Familien und Gemeinschaften kann es für Eltern schwierig sein, ihre Absichten in Frage zu stellen. Diese doppelte Manipulation – Erwachsenen gegenüber vertrauenswürdig zu wirken, während man sich privat an ein Kind heranmacht – macht Grooming so gefährlich und schwer zu erkennen. Für Eltern und BetreuerInnen ist es wichtig, wachsam zu bleiben, ihren Instinkten zu vertrauen und sich daran zu erinnern, dass Missbrauch auch in Umgebungen stattfinden kann, die sicher erscheinen.

      Was soll ich tun, wenn mir ein Kind erzählt, dass es Opfer von Grooming geworden ist?

      Wenn ein Kind dir erzählt, dass es glaubt, Opfer von Grooming zu sein, ist deine Reaktion in diesem Moment entscheidend. Die National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC) empfiehlt, aufmerksam zuzuhören, dem Kind zu versichern, dass es richtig gehandelt hat, indem es sich gemeldet hat, ihm zu sagen, dass es keine Schuld trifft, und ihm zu erklären, was du als Nächstes tun wirst. Kinder, die über Grooming oder Missbrauch sprechen, sind oft verängstigt, verwirrt oder unsicher, was gerade passiert. Deine Aufgabe ist es daher, ihnen ohne Vorurteile zu glauben und dafür zu sorgen, dass sie sich sicher fühlen.

      Überlasse dem Kind die Gesprächsführung

      Lass Kinder in ihrem eigenen Tempo sprechen. Vermeide Suggestivfragen und dränge nicht auf Details, die sie noch nicht preisgeben möchten. Biete stattdessen Bestätigungen wie „Danke, dass du mir das erzählst” oder „Es ist sehr mutig von dir, mir das zu sagen”. Deine Priorität ist es, einen Raum zu schaffen, in dem sich dein Kind geschützt und gehört fühlt.

      Tipp für Eltern: Schaffe eine ruhige Umgebung, bevor du antwortest. Dein Tonfall und deine Körpersprache sollten zeigen, dass du zuhörst und dass dein Kind sich dir gegenüber öffnen kann.

      Ignoriere ihre Besorgnisse nicht

      Manche Eltern und BetreuerInnen neigen dazu, die Bedenken eines Kindes instinktiv herunterzuspielen – insbesondere, wenn es sich bei dem betreffenden Erwachsenen um eine angesehene Person handelt, wie beispielsweise einer/n TrainerIn, eine/n religiöse/n FührerIn oder eine/n MentorIn. Es ist nur natürlich, dass man glauben möchte, dass vertraute Personen immer sicher sind, aber diese Annahme kann gefährlich sein. Grooming findet oft direkt vor unseren Augen statt, und BetreuerInnen positionieren sich häufig in Rollen, die ihnen Zugang zu Kindern und das Vertrauen von Familien verschaffen. Das Abtun der Unbehaglichkeit oder der Sorgen eines Kindes bringt sie/ihn nicht nur zum Schweigen, sondern schafft auch Raum für die Fortsetzung des Missbrauchs. Nimm die Worte eines Kindes immer ernst. Ihnen zu glauben ist der erste Schritt, um sie zu schützen.

      Melde deine Bedenken den örtlichen Behörden oder dem Jugendamt

      Wenn du glaubst, dass ein Kind Opfer von Grooming ist, missbraucht wird oder missbraucht werden könnte, solltest du das unbedingt sofort den örtlichen Behörden oder dem Jugendamt melden. Auch wenn du dir nicht ganz sicher bist, können Fachleute durch deine Meldung Nachforschungen anstellen und Maßnahmen ergreifen, um das Kind zu schützen. In jedem Land gibt es spezielle Gesetze zur Meldung von Verdachtsfällen von Missbrauch. In den Vereinigten Staaten kannst du dich an folgende Stellen wenden:

      • Lokale Strafverfolgungsbehörden (wähle 911, wenn ein Kind in unmittelbarer Gefahr ist)
      • Kinderschutzbehörde (CPS) in deiner Nähe
      • Die nationale Hotline für Kindesmissbrauch von Childhelp unter 1-800-4-A-CHILD (1-800-422-4453) für kostenlose, vertrauliche Unterstützung
       

      Wenn du außerhalb der USA lebst, wende dich an die Kinderschutzbehörde oder den Notdienst deines Landes, um Hilfe zu erhalten.

      Anmerkung

      Es ist üblich, über diese Grooming-Verhaltensweisen zu lesen und Menschen zu identifizieren, die einige dieser Dinge tun. Das macht sie jedoch nicht automatisch zu TäterInnen. Das Ziel, über diese Grooming-Verhaltensweisen zu sprechen und sich darüber zu informieren, ist es, deine Intuition zu stärken und dir zu helfen, wachsam zu sein.

      Wenn du also jemals solche Verhaltensweisen beobachtest und das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, kannst du eine Strategie anwenden, die wir „mit Freundlichkeit konfrontieren” nennen, um dein Kind zu schützen. Mit Freundlichkeit konfrontieren umfasst nur zwei Schritte:

      1. Nimm die Person beiseite und erkläre ihr die Grenzen, die du für dein Kind gesetzt hast, und warum du sie gesetzt hast.
      2. Bitte sie, dich bei diesen Grenzen zu unterstützen.

      Wenn die Person aus Unwissenheit so gehandelt hat, wird sie sich wahrscheinlich aufrichtig entschuldigen und diese Grenzen in Zukunft respektieren. Wenn die Person tatsächlich ein/e TäterIn ist, wird sie in Alarmbereitschaft versetzt, und es ist unwahrscheinlich, dass sie weiterhin versucht, dein Kind zu manipulieren

      Wenn TäterInnen wissen, dass du sie beobachtest, hören sie in der Regel auf, dein Kind ins Visier zu nehmen.

      Das Wichtigste, woran du denken solltest, ist, dass du dafür verantwortlich bist, informiert zu bleiben und dich aktiv am Leben deines Kindes zu beteiligen.

      Häufig gestellte Fragen zu Grooming

      Grooming ist ein bewusster Prozess, den TäterInnen anwenden, um das Vertrauen eines Kindes – und oft auch seiner Bezugspersonen – zu gewinnen, mit dem Ziel, Missbrauch zu begehen. Da es zunächst fürsorglich oder unschuldig erscheinen kann, ist Grooming schwer zu erkennen. Diese FAQ beantwortet häufig gestellte Fragen dazu, wie Grooming aussieht, wie es geschieht (sowohl persönlich als auch online) und welche Schritte du unternehmen kannst, um Kinder zu schützen und Hilfe zu suchen, wenn du den Verdacht hast, dass es stattgefunden hat.

      Entdecke weitere Ressourcen

      Weltweit engagieren sich zahlreiche Organisationen für die Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch, die Sensibilisierung für Grooming-Verhalten und die Unterstützung von Betroffenen und ihren Familien. Die folgenden Ressourcen zeigen einige der wirkungsvollen Maßnahmen auf, die durch Forschung, Aufklärung, Interessenvertretung und gesellschaftliches Engagement umgesetzt werden. Jede dieser Organisationen leistet einen wertvollen Beitrag mit Hilfsmitteln und Erkenntnissen, die die Arbeit von Saprea ergänzen, um Menschen zu stärken und Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen.

      DAS AUSTRALISCHE Nationale Amt für Kindersicherheit

      Das australische Nationale Amt für Kindersicherheit leitet die Entwicklung und Umsetzung der nationalen Prioritäten zur Prävention und Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch. Das Amt überwacht und bewertet auch den Fortschritt entsprechender Initiativen, bindet Interessengruppen und Beratungsgremien ein und gibt Organisationen und Diensten, die sich mit sexuellem Kindesmissbrauch befassen, Leitlinien zu Berichterstattung, Medienpraxis und Mindeststandards für die Praxis. Mit Hilfe ihrer Ressourcen kannst du eine hochwertige Kombination aus Statistiken und praktischen Implikationen breit angelegter Forschungen zum Thema sexueller Kindesmissbrauch erkunden. Saprea begrüßt es, wenn staatliche Ressourcen effektiv eingesetzt werden, um die Forschung zum Thema sexueller Kindesmissbrauch voranzutreiben.

      Safe Kids Thrive

      Safe Kids Thrive ist eine Initiative mit Sitz in Massachusetts, die Jugendorganisationen (YSOs) bei der Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch unterstützt, indem sie evidenzbasierte Ressourcen, Richtlinien und Hilfsmittel bereitstellt. Sie zielt darauf ab, Erwachsene und Organisationen – wie Schulen, Sportvereine, Kulturprogramme und Kinder- und Familiendienste – mit Richtlinien, Schulungen und Umsetzungsstrategien auszustatten, um Kinder vor Schaden zu bewahren. Zu ihren Aufgaben gehören die Entwicklung von Präventions- und Interventionsplänen, die Empfehlung von Überwachungsverfahren, die Förderung des öffentlichen Bewusstseins und die Bereitstellung eines „Präventions-Check”-Tools, mit dem Organisationen ihre Sicherheitsmaßnahmen bewerten können. Safe Kids Thrive ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie YSOs Maßnahmen ergreifen können, um das Risiko von Missbrauch zu verringern und gleichzeitig die Ziele ihrer Organisation zu erreichen.

      National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC)

      Die National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC) hat sich der Prävention von Kindesmissbrauch und der Unterstützung betroffener Kinder und Familien verschrieben. Was die NSPCC auszeichnet, ist die Art und Weise, wie sie direkte Dienstleistungen wie Therapie, Beratung und Unterstützung für gefährdete Kinder anbietet und mit Schulen zusammenarbeitet, um Kinder über Sicherheit aufzuklären. Sie setzt sich auch für politische Veränderungen ein, betreibt Forschung im Bereich Kinderschutz und hilft Organisationen dabei, ihre Schutzmaßnahmen zu verbessern.

      Bravehearts

      Bravehearts ist eine in Australien ansässige gemeinnützige Organisation, die sich für die ganzheitliche Stärkung und den Schutz von Kindern einsetzt. Ihr Ansatz umfasst insbesondere die Aufklärung von Kindern über persönliche Sicherheit, die Unterstützung von Betroffenen und die Aufklärung der Gemeinschaft. Bravehearts setzt sich auch für Gesetzesreformen ein, führt Forschungsarbeiten durch und organisiert Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Diese Organisation ist ein gutes Beispiel für eine gemeinnützige Einrichtung, die eine starke Kombination aus Sensibilisierungs- und Aufklärungsinitiativen pflegt.