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Gängige Plattformen, auf denen Sextortion stattfindet

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Gängige Plattformen, auf denen Sextortion stattfindet

Die Jugendlichen von heute knüpfen Kontakte, spielen und pflegen soziale Beziehungen auf Dutzenden von digitalen Plattformen – oft wechseln sie dabei nahtlos zwischen sozialen Medien, Spielen, Messaging-Apps und Livestreams hin und her. Diese Bereiche bieten zwar Raum für Kreativität und Austausch, schaffen aber auch Möglichkeiten für Kriminelle, die Vertrauen und Neugier ausnutzen. Sextortion beginnt häufig mit einer scheinbar harmlosen Nachricht, einer Freundschaftsanfrage oder einem Gespräch im Spiel. Indem Eltern verstehen, wo diese Strategien in der Regel ihren Anfang nehmen und wie die Täter/innen plattformübergreifend vorgehen, können sie die Risiken besser erkennen und ihren Teenagern helfen, sich mit größerer Achtsamkeit und Sicherheit im Internet zu bewegen.

Wo Sextortion-Gespräche oft beginnen

Sextortion beginnt selten mit einer offensichtlichen Drohung. Häufiger beginnt sie in alltäglichen digitalen Räumen, in denen junge Menschen ohnehin ihre Zeit verbringen – in Social-Media-Feeds, Gaming-Chats, Kommentarbereichen von Livestreams oder Messaging-Apps. Die Täter/innen suchen gezielt nach Plattformen, die es leicht machen, mit Fremden in Kontakt zu treten, schnell eine Beziehung aufzubauen und Gespräche in private Nachrichten zu verlagern. Zu verstehen, wie diese Umgebungen funktionieren – und warum sie für Kriminelle attraktiv sind –, kann Eltern helfen, zu erkennen, wo Risiken eher auftreten, und ihre Teenager dabei anzuleiten, sich in diesen Räumen sicherer zu bewegen.

Soziale Medien mit Direktnachrichtenfunktion

Soziale Medien sind einer der häufigsten Ausgangspunkte für Sextortion-Versuche. Die Täter/innen erstellen gefälschte Online-Konten mit gestohlenen Fotos, bauen eine Follower-Basis auf, um glaubwürdig zu wirken, und senden dann Direktnachrichten an potenzielle Betroffene. Der visuelle Charakter der Plattformen macht es den Täter/innen leicht, junge Menschen über Hashtags, Standortangaben und vorgeschlagene Konten ausfindig zu machen. Sie kommentieren öffentliche Beiträge, um Vertrautheit aufzubauen, bevor sie auf private Nachrichten umsteigen. Erwachsene Täter/innen nutzen aktuelle Trends und Themen, um bei jungen Menschen Anklang zu finden.

SPIELPLATTFORMEN UND CHAT-FUNKTIONEN

Gaming-Umgebungen haben sich zu wichtigen Kanälen für Sextortion entwickelt, die speziell auf männliche Teenager abzielt.1 Messaging-Server, die ursprünglich dafür gedacht waren, dass Gamer während des Spiels miteinander kommunizieren können, beherbergen oft Tausende von Fremden in Chatrooms. Kriminelle treten diesen Servern bei, identifizieren junge Nutzer/innen anhand ihrer Stimmen oder ihrer Kommentare zur Schule und senden ihnen dann private Nachrichten. Viele Spiele verfügen über Chat-Funktionen, über die Fremde miteinander kommunizieren können. Obwohl diese Plattformen über gewisse Sicherheitsfunktionen verfügen, finden entschlossene Täter/innen Wege, diese zu umgehen, insbesondere wenn junge Menschen neben dem Spielen auch Kommunikations-Apps von Drittanbietern nutzen und manche Messaging-Systeme Spieler/innen weltweit miteinander verbinden. Kriminelle können sich durch kooperatives Spielen mit jungen Spieler/innen anfreunden, dann persönliche Gespräche anbahnen und schließlich sexuelle Inhalte einbringen.2

LIVESTREAMING UND VIDEOFUNKTIONEN

Einige Websites und Plattformen bieten Videochat-Funktionen an, über die Fremde direkt miteinander in Videogespräche treten können. Diese Plattformen sind für anonyme Interaktionen konzipiert und verfügen nur über minimale Sicherheitsvorkehrungen, was sie für junge Menschen zu einem extrem hohen Risiko macht. Auf Twitch und YouTube Gaming können Zuschauer/innen den Streamern direkt Nachrichten senden. Junge Menschen, die sich selbst beim Zocken streamen, erhalten möglicherweise Nachrichten von scheinbar freundlichen Zuschauer/innen, die „sich lieber privat unterhalten“ möchten. Mit den Funktionen von Instagram Live, TikTok Live und Facebook Live können junge Menschen vor Publikum streamen, darunter auch vor Fremden. Täter/innen von Sextortion verfolgen diese Streams, sammeln Informationen über die Betroffenen und kontaktieren sie dann privat, nachdem der Stream beendet ist.

ANONYME NACHRICHTEN UND VERSCHLÜSSELTE APPS

Kriminelle verlagern ihre Unterhaltungen in der Regel auf diese Plattformen, nachdem sie den ersten Kontakt an anderer Stelle geknüpft haben. Einige dieser Apps wurden in Berichten von Strafverfolgungsbehörden wiederholt als Plattformen identifiziert, die für die sexuelle Ausbeutung von Kindern genutzt werden. Wenn eine App Anonymitätsfunktionen bietet, beispielsweise wenn für die Registrierung keine Telefonnummer erforderlich ist, macht dies sie für Täter/innen attraktiv, sie für ihre Zwecke zu nutzen.

Dating-Apps und Apps zum Kennenlernen neuer Leute

Obwohl für die meisten Apps Altersbeschränkungen gelten, können Jugendliche ihr Alter fälschen, um Zugang zu ihnen zu erhalten. Tinder, Bumble und ähnliche Apps werden von Täter/innen genutzt, die gezielt nach jungen Personen suchen. Manche Jugendliche nutzen diese Apps aus Neugier oder um romantische Beziehungen zu knüpfen. Ähnliche Apps, die als Plattform für „soziales Kennenlernen“ für Jugendliche vermarktet werden, bieten Erwachsenen die Möglichkeit, sich als Gleichaltrige auszugeben. Trotz Versuchen der Überprüfung verbreiten sich gefälschte Online-Konten auf diesen Plattformen.

Was diese Plattformen so riskant macht

Auf risikoreichen Plattformen lassen sich mehrere Merkmale immer wieder beobachten. Der Direktnachrichtenaustausch mit Fremden ist der Hauptrisikofaktor – jede Plattform, die private Kommunikation zwischen Personen ermöglicht, die sich im realen Leben nicht kennen, schafft Raum für Manipulation. Durch Funktionen zum Teilen von Fotos und Videos können Täter/innen explizite Bilder versenden, um sexuelle Inhalte zu normalisieren, und betroffene Personen dazu bringen, sensibles Material zu senden, das dann als Druckmittel genutzt wird. Der Wechsel zwischen verschiedenen Plattformen ermöglicht es Kriminellen, Betroffene von der Aufsicht zu isolieren und die für sexuelle Ausbeutung erforderliche Geheimhaltung zu schaffen. Live-Video-Funktionen bieten Möglichkeiten zur Echtzeitaufzeichnung sexueller Inhalte. Anonymität und die einfache Erstellung von Konten ermöglichen es Täter/innen, ohne Verifizierung mehrere gefälschte Online-Konten anzulegen.

Die Plattform ist weniger wichtig als das Muster

Zwar kommt es auf diesen Plattformen häufig zu Fällen von Sextortion, doch ist die jeweilige Plattform weniger entscheidend als das Verhaltensmuster. Kriminelle passen sich an die Plattformen an, die junge Menschen nutzen. Wenn eine Plattform ihre Sicherheitsfunktionen verbessert, wechseln die Täter/innen einfach zu einer anderen. Deshalb erweist es sich als wirksamer, jungen Menschen beizubringen, Manipulationstaktiken zu erkennen, als zu versuchen, bestimmte Apps zu verbieten. Die Warnsignale – Fremde, die aus dem Nichts Kontakt aufnehmen, Gespräche, die schnell einen sexuellen Charakter annehmen, Druck, auf private Messaging-Apps zu wechseln, Aufforderungen zu expliziten Bildern – bleiben unabhängig davon, wo der erste Kontakt stattfindet, immer gleich.

Im Jahr 2026 gibt es eine Reihe von Plattformen, die von Online-Erpressern häufig für Sextortion-Aktivitäten genutzt werden, um junge Menschen ins Visier zu nehmen.

Art der Plattform
Beispiele
Beliebte Apps für soziale Medien
Instagram, Snapchat
Neuartige Apps für Jugendliche
Wizz, Hoop, Yubo
Anonyme bzw. halb-anonyme Apps
Whisper, ASK.fm, Skout
Nachrichtenplattformen
Discord, WhatsApp, Kik, Telegram
Gaming-Plattformen
Roblox, allgemeine Gaming-Chats
Video-, Unterhaltungs- und Streaming-Plattformen
TikTok, YouTube, LiveMe
Dating-Apps
Grindr, Tinder, Bumble
Eltern müssen nicht zu Experten für jedes soziale Netzwerk und jede Spieleplattform werden. Konzentriere dich stattdessen auf folgende Grundsätze: Finde heraus, welche Plattformen dein Teenager nutzt, mache dich mit den grundlegenden Funktionen und Risiken der einzelnen Plattformen vertraut, pflege einen offenen Dialog darüber, mit wem er oder sie online kommuniziert, und stelle sicher, dass die Datenschutzeinstellungen optimal eingestellt sind. Das Ziel ist nicht, jegliche soziale Interaktion im Internet zu unterbinden, sondern jungen Menschen dabei zu helfen, sich sicher in diesen Bereichen zu bewegen und gleichzeitig die Warnsignale sexueller Erpressung zu erkennen.

Warnsignale für Sextortion erkennen – unabhängig von der Plattform

Auch wenn bestimmte Apps und Plattformen in Fällen von Sextortion häufiger zum Einsatz kommen, liegt die eigentliche Gefahr in den Manipulationsmustern der Täter/innen. Kriminelle werden jungen Menschen immer dorthin folgen, wo gerade die beliebtesten Plattformen sind. Deshalb ist Aufklärung wichtiger als das Verbot bestimmter Apps. Wenn man Teenagern beibringt, Warnsignale zu erkennen – wie Fremde, die private Unterhaltungen initiieren, Aufforderungen, auf eine andere App zu wechseln, oder Druck, persönliche Bilder zu teilen –, hilft man ihnen, sicherer zu sein, egal wo sie sich online aufhalten. Durch offene Kommunikation, strenge Datenschutzeinstellungen und regelmäßige Gespräche über digitale Grenzen können Eltern ihre Kinder befähigen, Online-Räume zu genießen und gleichzeitig die bei sexueller Erpressung angewandten Taktiken zu erkennen und zu vermeiden.

Gesprächsanregungen für Eltern: Wie man über Online-Sicherheit und Sextortion spricht

Boy wearing hoody and glasses looking a cell phone in the dark.

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Gesprächsanregungen für Eltern: Wie man über Online-Sicherheit und Sextortion spricht

Mit Teenagern über sensible Themen wie Online-Sicherheit und Sextortion zu sprechen, kann unangenehm sein, doch diese Gespräche sind wichtig, um ihnen dabei zu helfen, sich in der heutigen digitalen Welt zurechtzufinden. Viele Eltern haben Angst, etwas Falsches zu sagen oder ihren Teenager mit Warnungen zu überfordern. In Wirklichkeit funktionieren kurze, unterstützende Gespräche oft besser als lange Vorträge. Durch einfache Fragen und das Aufgreifen alltäglicher Momente kann man Teenagern helfen, Risiken zu erkennen, gesunde Grenzen zu verstehen und sich sicher zu fühlen, sich an dich zu wenden, wenn online etwas schiefgeht.

Hier findest du praktische Gesprächsanregungen, die du als Elternteil (oder Bezugsperson) nutzen kannst, um auf unterstützende Weise Gespräche über diese sensiblen Themen zu initiieren.

EIN GESPRÄCH ÜBER ONLINE-SICHERHEIT INITIEREN

Statt mit Warnungen oder Regeln zu beginnen, solltest du mit Neugier und Offenheit an die Sache herangehen. Versuche zu fragen: „Welche Apps und Social-Media-Konten nutzt du derzeit? Kannst du mir zeigen, wie sie funktionieren?“ Diese Frage zeigt Interesse, ohne wertend zu sein, und liefert dir wertvolle Informationen über die digitale Welt deines Kindes. Frage anschließend: „Mit wem unterhältst du dich dort normalerweise? Mit Freunden aus der Schule oder auch mit anderen Leuten?“ So kannst du das soziale Netzwerk deines Kindes besser verstehen, ohne vorwurfsvoll zu wirken.

Ein weiterer effektiver Einstieg nutzt aktuelle Ereignisse: „Ich habe einen Nachrichtenbeitrag gesehen, in dem es darum ging, dass Jugendliche online von anderen angegriffen werden. Hast du davon gehört, dass so etwas an deiner Schule oder bei Leuten passiert ist, die du kennst?“ Dieser Ansatz macht das Thema konkret und relevant und schafft gleichzeitig Raum für deinen Teenager, Bedenken zu äußern, ohne das Gefühl zu haben, in Schwierigkeiten zu geraten.


Das Thema Sextortion mit Zuversicht angehexn

Saprea empfiehlt kurze Gespräche statt langwieriger Unterhaltungen. Versuch es mal so: „Hey, ich habe etwas beunruhigendes erfahren und möchte mit dir darüber sprechen. Hat dich schon einmal jemand online nach Fotos von dir gefragt, insbesondere nach expliziten Bildern? Falls das passiert, sollst du wissen, dass du es mir jederzeit sagen kannst und dass du keinen Ärger bekommst.“ Die klare Aussage, dass keine Strafe droht, ist entscheidend.

Du könntest auch fragen: „Wenn jemand, den du online kennengelernt hast, dir Unbehagen bereitet oder nach sexuellen Inhalten fragt, was würdest du tun? Wem würdest du davon erzählen?“ Diese Frage hilft dir, den aktuellen Plan des Kindes zu verstehen, und ermöglicht es dir, klarzustellen, dass du seine erste Anlaufstelle sein möchtest. Außerdem zeigt sie, ob das Kind die verfügbaren Hilfsangebote versteht.


Über Warnsignale und Risikofaktoren sprechen

Nutze „Was-wäre-wenn“-Szenarien, um verschiedene Situationen zu erörtern, ohne deinem Teenager irgendetwas vorzuwerfen. Versuche es mal so: „Was würdest du denken, wenn jemand, den/die du gerade erst online kennengelernt hast, sagen würde, dass er/sie sich dir sehr verbunden fühlt und sofort einen privaten Video-Chat mit dir führen möchte?“ Lass sie/ihn antworten und besprich dann, warum das ein Warnsignal ist – gesunde Beziehungen entwickeln sich schrittweise, und Druck, schnell voranzukommen oder privat zu werden, ist ein Warnzeichen für Manipulation.

Ein weiteres Szenario: „Stell dir vor, jemand im Internet bietet dir Gutscheine oder Geld für Fotos an. Was glaubst du, was da wirklich vor sich geht?“ Das eröffnet eine Diskussion über Betrüger/innen, die gezielt andere mit finanziellen Erpressungsversuchen ins Visier nehmen. Du kannst erklären, dass seriöse Menschen niemals Geld für Bilder anbieten und dass dies immer eine Falle für Online-Erpressung oder andere potenzielle Ausbeutung ist.


VERTRAUEN AUFBAUEN

Das vielleicht wichtigste Gespräch dreht sich darum, was passiert, wenn sie einen Fehler machen oder zur Zielscheibe von Übergriffen werden. Sag ganz direkt: „Es gibt etwas Wichtiges, das du wissen musst. Wenn du jemals jemandem ein explizites Bild schickst und dieser dich dann bedroht, oder wenn du online in irgendeine Art von Schwierigkeiten gerätst, komm bitte sofort zu mir. Du wirst nicht bestraft. Ich werde dir nicht dein Handy wegnehmen oder wütend werden. Wir werden das gemeinsam klären, und die Person, die dich bedroht, ist diejenige, die gegen das Gesetz verstößt.“

Du kannst hinzufügen: „Selbst wenn es in einer App passiert, in der du eigentlich nicht sein solltest, oder wenn du Entscheidungen getroffen hast, die du bereust, kannst du es mir trotzdem sagen. Meine Aufgabe ist es, dich zu beschützen und dir Hilfe zu besorgen, nicht dich zu bestrafen.“ Diese Botschaft thematisiert direkt die Scham, die in 81 % der Fälle ein Hindernis für das Offenlegen darstellt.1


ÜBERPRÜFUNG DES VERSTÄNDNISSES VON EINVERSTÄNDNIS UND DRUCK

Sprich über den Unterschied zwischen freier Entscheidung und Druck. Frage: „Woran würdest du erkennen, ob dich jemand unter Druck setzt oder ob du etwas online tatsächlich selbst tun möchtest?“ Das hilft jungen Menschen, Zwang zu erkennen. Füge hinzu: „Du weißt doch, dass du niemandem explizite Bilder schicken musst, oder? Nicht einmal, wenn ihr schon zusammen seid, nicht, wenn der/die andere dir zuerst Bilder geschickt hat, und nicht, wenn du zuvor zugestimmt hast. Du kannst deine Meinung jederzeit ändern.“

Um den Kontext in Bezug auf Beziehungen zu verdeutlichen, versuch es mal so: „Wie gehen Menschen in gesunden Beziehungen miteinander um, egal ob online oder persönlich? Was sollte niemals in Ordnung sein?“ Lass sie antworten und betone dann: „Gesunde Partner/innen üben niemals Druck aus, um sexuelle Inhalte zu erhalten, drohen dir niemals und teilen niemals deine privaten Fotos ohne deine Erlaubnis.“


DATENSCHUTZ UND SICHERHEIT

Anstatt uneingeschränkten Zugriff zu verlangen, sprich lieber darüber, warum Datenschutzeinstellungen wichtig sind, und arbeitet gemeinsam daran, die Privatsphäre zu schützen. Frage: „Wer kann deine Beiträge und dein Profil derzeit sehen – nur Freunde oder jeder? Senden dir Fremde Nachrichten?“ Erkläre dann: „Wenn du deine Social-Media-Konten privat hältst, bist du sicherer, denn Kriminelle suchen gezielt nach jungen Menschen mit öffentlichen Profilen. Können wir gemeinsam deine Einstellungen überprüfen?“

Was Passwörter und die Überwachung angeht, versuche es so: „Ich möchte deine Passwörter wissen, nicht weil ich dir nicht vertraue, sondern damit ich auf deine Konten zugreifen kann, um das Problem zu beheben, falls etwas schiefgeht oder du Hilfe brauchst. Verstehst du, was ich meine?“ Stelle die Überwachung als gemeinsame Online-Sicherheit dar und nicht als Misstrauen.


WENN DU DEN VERDACHT HAST, DASS ETWAS NICHT IN ORDNUNG IST

Wenn dein Teenager zurückgezogen oder ängstlich wirkt oder sein/ihr Handy häufiger als sonst versteckt, sprich ihn/sie mit Besorgnis an, nicht mit Vorwürfen. Sag: „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit gestresst wirkst. Ist online und in der Schule alles in Ordnung? Manchmal haben Menschen mit Dingen zu kämpfen, über die sie nicht sprechen möchten.“ Gib ihm/ihr Raum, zu antworten, ohne ihn/sie zu drängen.

Wenn du konkrete Bedenken wegen Sextortion oder Online-Erpressung hast, sei direkt, aber unterstützend: „Ich mache mir Sorgen, dass etwas nicht stimmt. Wenn dich jemand online verunsichert, dir droht oder Bilder hat, mit denen er/sie dich unter Druck setzt, können wir das gemeinsam klären. Du bist bei mir nicht in Schwierigkeiten – ich möchte dir nur helfen.“ Schweige dann und gib ihm/ihr Zeit, zu antworten.


REGELMÄSSIG NACHFRAGEN

Diese Gespräche sollten nicht nur einmal stattfinden. Kurze Nachfragen funktionieren gut: „Ist diese Woche online irgendetwas Seltsames passiert?“ Oder: „Erinnerst du dich noch daran, worüber wir letztes Mal gesprochen haben – über Leute im Internet, die Teenager unter Druck setzen, damit sie Fotos von sich schicken? Das Angebot gilt immer noch: Komm zu mir, wenn so etwas passiert.“ Regelmäßige, beiläufige Erwähnungen halten das Thema präsent, ohne zu erdrückend zu wirken.

Positive vs. negative digitale Interaktionen:
Teenagern den Unterschied beibringen

Das Verständnis für den Unterschied zwischen positiven und negativen digitalen Interaktionen kann Jugendlichen helfen, sich im Internet sicherer zu bewegen. Zwar sind viele Online-Freundschaften und -Gespräche positiv, doch manche Menschen nutzen Manipulation, Druck oder Geheimhaltung, um Vertrauen zu gewinnen und andere auszunutzen. Indem man mit Jugendlichen über die gemeinsamen Merkmale gesunder Beziehungen spricht – wie zum Beispiel die Achtung von Grenzen, Offenheit und gegenseitiges Wohlbefinden –, können Eltern ihnen helfen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und im Internet sicherere Entscheidungen zu treffen.
Positive Interaktionen
Negative Interaktionen
Gesunde Online-Freundschaften
bauen sich langsam auf
Ungesunde Beziehungen lösen Angst
und Unsicherheit aus
Positive Interaktionen respektieren
Privatsphäre und Grenzen
Negative Interaktionen entwickeln
sich zu schnell
Gesunde digitale Freunde lassen sich überprüfen
Negative Interaktionen gehen mit Druck und Manipulation einher
Gesunde Beziehungen fühlen sich
angenehm und sicher an
Ungesunde Kontakte verbergen ihre
wahre Identität
Wenn man Jugendlichen diese Unterschiede vermittelt, gibt man ihnen das notwendige Verständnis, um Online-Interaktionen selbst einzuschätzen. Wenn Jugendliche verstehen, wie ein gesunder Umgang aussieht, sind sie besser in der Lage, die Manipulationstaktiken sexueller Erpressung zu erkennen, bevor sie selbst betroffen sind. Eltern sollten diese Unterschiede regelmäßig thematisieren und dabei konkrete Beispiele aus den Nachrichten oder hypothetische Szenarien heranziehen, um die Konzepte zu verdeutlichen.

Praktische Anregungen und unterstützende Gespräche

Mit Jugendlichen über Online-Sicherheit und Sextortion zu sprechen, muss nicht beängstigend sein. Mithilfe praktischer Fragen, realitätsnaher Szenarien und offener, unterstützender Gespräche können Eltern ihren Kindern helfen, Warnsignale zu erkennen, gesunde digitale Beziehungen zu verstehen und sich sicher zu fühlen, wenn sie um Rat fragen. Regelmäßige Gespräche stärken das Vertrauen und befähigen Jugendliche, sich selbstbewusst im Internet zu bewegen.

Was ist Online-Grooming? Grooming im digitalen Zeitalter verstehen

Boy with headphones on playing online computer games in dark room

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Was ist Online-Grooming? Grooming im digitalen Zeitalter verstehen

Da Technologie immer leichter zugänglich wird, hat auch das Online-Grooming zugenommen. Ähnlich wie beim Grooming im echten Leben handelt es sich dabei um einen technologiegestützten Prozess, bei dem Kinder oder Jugendliche mit dem Ziel des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung für sich gewonnen werden. Während einige Online-TäterInnen das Kind, mit dem sie sprechen, vielleicht kennen, nutzen Sexualstraftäter häufiger die Anonymität und Zugänglichkeit von Online-Plattformen, um potenzielle Opfer zu erreichen. Im Gegensatz zum Grooming im echten Leben, das sich über Wochen, Monate oder sogar Jahre hinziehen kann, kann Online-Grooming sehr schnell, sogar innerhalb weniger Stunden, erfolgen. Bei der Arbeit im Internet müssen sie keine Erwachsenen beeinflussen und die Umgebung des Kindes kontrollieren, was es potenziell einfacher macht, Vertrauen aufzubauen und das Kind schneller zu sexuellen Gesprächen oder sexuellen Kontakten zu bewegen.

Wie Groomer über soziale Medien und digitale Plattformen online agieren

Online-Grooming beschränkt sich nicht nur auf die dunklen Ecken des Internets, sondern findet oft auf bekannten Plattformen wie sozialen Medien, Messaging-Apps und Online-Spielen statt. Mit gefälschten Profilen geben sich Groomer möglicherweise als ein anderes Kind oder ein/e Gleichaltrige/r mit gemeinsamen Interessen aus, um das Vertrauen des Opfers leichter zu gewinnen. Sie nutzen möglicherweise sogar mehrere Online-Plattformen, um mit demselben Kind in Kontakt zu treten. Sie können sich Zeit nehmen, um anhand der Online-Profile mehr über die Interessen des Kindes oder Jugendlichen zu erfahren, und diese Informationen nutzen, um Vertrauen aufzubauen und eine besondere Beziehung zu ihm/ihr aufzubauen. Im Laufe der Entwicklung der Online-Beziehung kann der/die TäterIn nach persönlichen Informationen fragen oder zu privaten Chats, Videoanrufen und geheimnisvollem Verhalten ermutigen. Schließlich manipulieren oder zwingen sie das Kind dazu, explizite Fotos oder Videos zu senden. In vielen Fällen nutzt der/die TäterIn dieses Material, um das Kind zu weiteren sexuellen Handlungen zu erpressen (eine Form des Missbrauchs, die als Sextortion bekannt ist).

Die bei Online-Grooming angewandten Taktiken sind kalkuliert und manipulativ. Groomer können häufigen oder ständigen Kontakt aufrechterhalten, wodurch sie ihre Kontrolle verstärken und es dem Kind erschweren, sich zu lösen. Einige greifen sogar zu Cyberstalking und nutzen Technologien, um ihre Opfer zu überwachen oder zu belästigen. Das Verständnis dieser Grooming-Verhaltensweisen von TäterInnen hilft BetreuerInnen und anderen Erwachsenen, Anzeichen von Grooming frühzeitig zu erkennen und Kinder und Jugendliche vor Online-TäterInnen zu schützen.

Warnsignale und Anzeichen für Online-Grooming

Viele Eltern haben vielleicht das Gefühl, dass sie nicht wissen, worauf sie achten müssen, um Online-Grooming frühzeitig zu erkennen. Glücklicherweise können Eltern, die traditionelle Grooming-Verhaltensweisen erkennen, wahrscheinlich auch Online-Grooming-Verhaltensweisen erkennen. Die gemeinnützige Organisation Bravehearts1 hat sieben Warnzeichen und Alarmsignale zusammengestellt, auf die man achten sollte:
01
ZU FRÜH PERSÖNLICHE FRAGEN STELLEN
Die Person stellt deinem Kind kurz nach dem ersten Online-Kontakt viele Fragen zu persönlichen Informationen (wie Alter, Schule, Wohnort, Familienleben usw.). Diese schnelle Befragung ist ein gängiges Grooming-Verhalten, mit dem die Verletzlichkeit des Kindes eingeschätzt wird, um schnell eine enge Beziehung aufzubauen.
02
Um Gefallen bitten und Vertrauen aufbauen
Die Person beginnt, dein Kind um Gefallen zu bitten und tut ihm/ihr im Gegenzug auch Gefallen – TäterInnen nutzen oft Versprechen, Geschenke und Gefälligkeiten, um Vertrauen zu gewinnen. Dieser Austausch schafft ein Gefühl der Verpflichtung und ist Teil des Grooming-Prozesses, der darauf abzielt, besondere Aufmerksamkeit und emotionale Abhängigkeit aufzubauen.
03
DIE „BEZIEHUNG“ GEHEIM HALTEN
Online-Groomer versuchen in der Regel, ihre Beziehungen von Anfang an streng privat und geheim zu halten und behaupten, es handele sich um etwas „Besonderes” nur zwischen ihnen beiden. TäterInnen haben leichtes Spiel, wenn BetreuerInnen und Familienangehörige nichts von ihrem Kontakt zu dem Kind wissen.
04
HÄUFIGER UND VIELFÄLTIGER KONTAKT
Die Person kontaktiert dein Kind häufig und auf unterschiedliche Weise, z. B. per SMS, über Social-Media-Apps und Online-Chats oder indem sie es auffordert, den Chat auf eine andere Plattform mit End-to-End-Verschlüsselung zu verlagern.
05
FRAGEN ZUM GERÄTEZUGANG
Die Person fragt dein Kind beispielsweise, wer sonst noch sein Gerät oder seinen Computer benutzt oder in welchem Zimmer es diese nutzt. Diese Fragen helfen Groomern dabei, einzuschätzen, wie viel Privatsphäre sie haben, um ihr Grooming-Verhalten zu intensivieren, ohne von Eltern oder Betreuern entdeckt zu werden.
06
MACHT KOMPLIMENTE UND TESTET GRENZEN
Die Person macht deinem Kind Komplimente über sein Aussehen oder seinen Körper und/oder testet seine Grenzen aus, indem sie Fragen stellt wie „Wurdest du schon mal geküsst?“, „Hast du einen Freund/eine Freundin?“ und so weiter. Das Testen von Grenzen und Kommentare zum Aussehen sind Beispiele für Grooming-Taktiken, die auf das Selbstwertgefühl eines Kindes abzielen und nach und nach sexuelle Themen einbringen. Das ist eine Art, das Kind für sexuelle Inhalte und Verhaltensweisen unempfindlich zu machen.
07
MÖCHTE SICH PERSÖNLICH TREFFEN
Groomer bestehen möglicherweise darauf, sich mit dem Kind zu treffen, und versuchen, ihm Schuldgefühle einzureden oder es sogar zu bedrohen, wenn es sich weigert. Hinweis: Nicht alle Groomer versuchen, sich persönlich zu treffen, wenn ihr Ziel darin besteht, sexuelle Bilder oder Videos von Kindern (bekannt als Material über sexuellen Kindesmissbrauch, CSAM) zu erhalten.

Wie man Kinder vor Gefahren im Internet schützt

Wie alle Arten von sexuellem Kindesmissbrauch kann auch Online-Grooming verheerende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, das Selbstwertgefühl und die Sicherheit eines Kindes haben. Die beste Abwehr ist Aufklärung – Kindern beizubringen, Warnsignale zu erkennen, keine persönlichen Informationen oder Bilder weiterzugeben und Mut zu haben, sich zu äußern, wenn ihnen etwas nicht richtig erscheint. Eltern und BetreuerInnen sollten sich über die Plattformen, die ihre Kinder nutzen, auf dem Laufenden halten, eine offene und unterstützende Kommunikation pflegen und auf Veränderungen in der Stimmung oder im Verhalten ihres Kindes achten.

Online-Grooming findet zwar in der digitalen Welt statt, aber seine Auswirkungen sind sehr real. Durch Aufklärung, Bildung und einen offenen Dialog können wir Kinder und Jugendliche besser vor diesen ernsthaften Gefahren schützen.

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Kind Opfer von Grooming geworden ist oder sexuell missbraucht wurde, wende dich sofort an die Polizei oder den Kinderschutzdienst. Weitere Informationen darüber, wie du dein Kind am besten unterstützen kannst, findest du auf unserer Seite zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch.

Häufig gestellte Fragen
zum Thema Online-Grooming

Online-Grooming kann komplex und schwer zu erkennen sein, sodass Eltern und BetreuerInnen oft viele Fragen dazu haben, wie es abläuft und was sie tun können, wenn sie einen Verdacht haben. Im Folgenden findest du einige der häufigsten Fragen zum Thema Online-Grooming – was es ist, wie man die Warnzeichen erkennt und welche Schritte du unternehmen kannst, um die Sicherheit von Kindern bei der Nutzung digitaler Plattformen zu gewährleisten.

Was hält Kinder davon ab, Grooming zu melden: Hindernisse verstehen

A parent sits with a child, offering comfort and support in a softly lit room. The parent has an arm around the child’s shoulders, and they appear to be having a serious, caring conversation.

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Was hält Kinder davon ab, Grooming zu melden: Hindernisse verstehen

Einer der Hauptgründe, warum Kinder und Jugendliche Erwachsenen nichts von ihren Erfahrungen mit Grooming erzählen, ist, dass sie nicht erkennen, dass sie Opfer von Grooming sind. Eine Grooming-Beziehung beginnt oft damit, dass sie sicher und positiv erscheint. Wenn die Beziehung dann unangenehm, beängstigend und/oder isolierend wird, sind viele Kinder verwirrt und unsicher, wie sie reagieren sollen oder wem sie vertrauen können. Das frühzeitige Erkennen von Warnzeichen für Grooming-Verhalten kann Bezugspersonen helfen, einzugreifen, bevor Kinder sich in Schweigen gefangen fühlen.

Laut der National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC)1 können Kinder aus verschiedenen Gründen nicht darüber sprechen. Beispielsweise können Kinder und Jugendliche:

  • sich schämen
  • sich wegen unangemessener sexueller Handlungen, an denen sie beteiligt waren, schuldig fühlen
  • glauben, dass sie in einer romantischen Beziehung mit ihrem Groomer stehen.
  • sich genieren, sexuelle Details mit anderen Menschen zu teilen
  • Angst haben, dass die Person, die sie groomt, in Schwierigkeiten gerät
  • Angst davor haben, was der Groomer tun wird, wenn sie sich äußern oder sich weigern, mitzumachen
Um Kindern das Gefühl zu geben, in Sicherheit zu sein und Unterstützung zu erfahren, ist es unerlässlich, die Hindernisse zu verstehen, die Kinder davon abhalten, Fälle von Grooming zu melden. Eltern und andere Betreuungspersonen müssen ein offenes, vorurteilsfreies Umfeld schaffen, in dem Kinder sich wohlfühlen und alles erzählen können – egal, wie verwirrend oder schwierig es auch erscheinen mag.

Was ist, wenn mein Kind glaubt, dass es eine romantische Beziehung zu seinem/r TäterIn hat?

Manchmal wenden Groomer manipulative und emotional zwanghafte Taktiken an, um Kinder und Jugendliche davon zu überzeugen, dass sie sich in einer einvernehmlichen romantischen Beziehung befinden. Im Rahmen des Grooming-Prozesses überschütten sie sie möglicherweise mit Aufmerksamkeit, Zuneigung, Geschenken oder Lob, um Vertrauen und emotionale Abhängigkeit aufzubauen. Mit der Zeit kann diese Manipulation die Grenzen zwischen Zuneigung und Missbrauch verwischen, sodass es für junge Menschen unglaublich schwierig wird, zu erkennen, was vor sich geht.
WARUM KINDER EINER BEZIEHUNG MIT EINEM ERWACHSENEN NICHT ZUSTIMMEN KÖNNEN
Saprea widerspricht entschieden der Vorstellung, dass Kinder Beziehungen zu Erwachsenen zustimmen können. Rechtlich und entwicklungsbedingt sind Minderjährige nicht in der Lage, eine informierte Zustimmung zu geben – insbesondere im Kontext eines Machtungleichgewichts, in dem ein Erwachsener bewusst ihr Vertrauen und ihre Verletzlichkeit ausnutzt. Erwachsene in einer Machtposition, die sich an Grooming-Verhalten beteiligen, sind Missbraucher, unabhängig davon, wie sie die Beziehung darstellen.
WIE GROOMER GEFÜHLE DER BINDUNG UND SCHULD MANIPULIEREN

Kinder haben möglicherweise Angst, sich zu äußern oder Widerstand zu leisten, weil sie nicht das „ruinieren“ wollen, was ihnen als besondere oder geheime Beziehung verkauft wurde. Manche befürchten möglicherweise, die emotionale Bindung zu verlieren, die sie zu ihrem/r TäterIn aufgebaut haben, selbst wenn diese missbräuchlich geworden ist. Andere schämen sich vielleicht, sind verwirrt oder geben sich selbst die Schuld dafür, dass sie sich darauf eingelassen haben, was es ihnen noch schwerer macht, Hilfe zu suchen. Die Manipulation des Selbstwertgefühls und der Verletzlichkeit des Kindes durch den/die TäterIn macht es noch schwieriger, sich zu offenbaren.

Oft haben Betroffene auch das Gefühl, keine Wahl zu haben – dass „Nein“ sagen keine Option ist. Selbst wenn sie sich zutiefst unwohl fühlen oder durch das, was von ihnen verlangt wird, verletzt sind, glauben sie möglicherweise, dass sie für die Aufrechterhaltung der Beziehung verantwortlich sind, oder befürchten, dass, wenn sie sich jemanden anvertrauen zu Bestrafung, Ablehnung oder Schaden führen wird.

WIE ELTERN UND BETREUER/INNEN HELFEN KÖNNEN

Das Wichtigste, woran Eltern und BetreuerInnen denken sollten, ist Folgendes: Dein Kind ist nicht schuld. Offene, vorurteilsfreie Gespräche und professionelle Unterstützung können entscheidend dazu beitragen, dass es sich aus dieser Manipulation befreien und mit der Heilung beginnen kann.

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Kind Grooming ausgesetzt ist oder sexuellen Missbrauch erlebt hat, wende dich sofort an die Polizei oder den Kinderschutzdienst. Weitere Informationen darüber, wie du dein Kind am besten unterstützen kannst, findest du auf unserer Seite zur Prävention von sexuellem Missbrauch von Kindern.

Von der Isolation zur Integration

Isolation ist eine der wirksamsten Taktiken beim Grooming, da Groomer Kinder systematisch von ihren Unterstützungsnetzwerken distanzieren, um Kontrolle und Geheimhaltung zu gewährleisten. Untersuchungen zur Heilung von sexuellem Kindesmissbrauch zeigen, dass strukturierte Reintegrationsansätze – darunter Familienbewertungen, langsame Veränderungen und nachhaltige Anschlussbetreuung – entscheidend sind, um Kindern dabei zu helfen, gesunde Beziehungen wieder aufzubauen. Eltern spielen in diesem Prozess eine wichtige Rolle, indem sie aktiv daran arbeiten, ihren Kindern wieder Zugang zu sicheren, unterstützenden Beziehungen zu verschaffen. Das bedeutet:

  • regelmäßigen Kontakt zu vertrauten Familienmitgliedern ermöglichen,
  • altersgerechte Freundschaften fördern
  • und Möglichkeiten schaffen, dass Kinder an Aktivitäten teilnehmen können, bei denen sie sich wertgeschätzt und verbunden fühlen.

Eine offene, vorurteilsfreie Kommunikation ist einer der wirksamsten Schutzfaktoren, die Eltern ihren Kindern bieten können, wenn diese sich aus einer missbräuchlichen Situation befreien.

Studien, die sich mit Reintegrationsstrategien befassen, betonen, dass soziale Unterstützungsnetzwerke für die Bewältigung von Traumata von grundlegender Bedeutung sind und dass der Aufbau dieser Netzwerke bewusste Anstrengungen und Zeit erfordert. Eltern sollten mit Fachleuten für psychische Gesundheit zusammenarbeiten, die auf Kindheitstraumata spezialisiert sind, um einen umfassenden Unterstützungsplan zu entwickeln, der auf die spezifischen Bedürfnisse des Kindes zugeschnitten ist. Die Mitwirkung von Fachleuten kann während des gesamten Reintegrationsprozesses von entscheidender Bedeutung sein, da sie Familien dabei helfen, sich in dem komplexen emotionalen Bereich zurechtzufinden und gleichzeitig die Sicherheit und das Wohlergehen des Kindes in den Vordergrund zu stellen.

Bedenke, dass die Wiedereingliederung schrittweise erfolgt – es gibt keinen festgelegten Zeitplan für die Heilung. Konzentriere dich auf kleine, beständige Maßnahmen, die deinem Kind helfen, sich sicher, gehört und unterstützt zu fühlen, während es wieder entdeckt, wie gesunde Beziehungen aussehen und sich anfühlen. Deine Geduld, deine Präsenz und dein unerschütterlicher Glaube an die Widerstandsfähigkeit deines Kindes werden den entscheidenden Unterschied auf seinem Weg zur Genesung ausmachen.

Häufig gestellte Fragen
zu Grooming

Grooming kann für Kinder schwer zu erkennen sein, da es oft als eine Beziehung beginnt, die fürsorglich oder harmlos erscheint. Gefühle wie Angst, Schuld oder Verwirrung können sie daran hindern, sich zu äußern. Diese FAQ untersucht, warum Kinder möglicherweise schweigen, wie man Warnsignale erkennt und wie Bezugspersonen mit Verständnis und Unterstützung reagieren können.